Full text: Die Krise des Idealismus

c) Die Bindung nn den Positivismus. 
Die realistische, an die Tatsachen sich haltende 
Tendenz in der Philosophie, allerdings nur ein Son¬ 
derzweig innerhalb ihrer umfassenden Entwicklung, 
erreicht ihre höchste Spitze in der Ausbildung des so¬ 
genannten Positivismus. Er ist zu verschiedenen Ma¬ 
len in der Geschichte der Philosophie aufgetreten. Er 
meldet sich fast stets als eine Art von Opposition gegen 
den Hochflug des Idealismus, er tritt also in der Form 
einer Kritik des Idealismus auf. Er will gegenüber 
der idealistischen Richtung in der Philosophie eine 
„Wirklichkeitslehre“ sein, wie Eugen Diihring (1833— 
1921) den Realismus und Positivismus bezeichnet 
hat 1). Der Positivismus versucht, die Dinge so zu 
nehmen, wie sic sind, bzw. wie sie uns in den Tatsa¬ 
chen der Empfindungen gegeben sind. 
Wir wenden uns hier gegen diese Auffassung mit 
der doppelten Frage, ob eine derartige Aufnahme der 
Dinge überhaupt möglich, ferner ob eine solche Auf¬ 
nahme die eigentliche Aufgabe der Philosophie ist. 
Die Dinge, deren Beachtung von dem Realismus so 
nachdrücklich gefordert wird, können „an sich“ aus 
physiologischen, aus psychologischen und aus logi¬ 
schen Gründen gar nicht zur Erkenntnis gelangen. 
Die von ihnen ausgehenden Reize erfahren bereits 
innerhalb der physiologischen, dann weiter innerhalb 
der psychologischen Zone die denkbar stärkste Um- 
*) Die „Philosophie der Wirklichkeit“, wie sie Heinrich 
Maier in einer Reihe hervorragender Werke entwickelt hat, hat 
mit jener positivistischen Tendenz de» Realismus nichts zu tun. 
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