Full text: Die Krise des Idealismus

die Millionen umschlingt, so bürgt er in seiner Existenz 
und in seinem Walten auch für die Dauer der Einheit. 
Er ist der Überwinder des Chaos, und all sein Tun ist 
ausgezeichnet durch ein ordnungssetzendes Maß, eben 
durch die Schöpfung des Kosmos. Weil Gott aber in 
dieser Form schafft, vermag der durch die Über¬ 
fülle der Erscheinungen verwirrte und verängstigte 
Mensch sich durch den Glauben an Gott zu beruhigen 
und zu erlösen. Und eine Haltung oder eine Wissen¬ 
schaft oder ein philosophisches System, durch die wir 
in dem Bedürfnis nach der Erkenntnis übergreifen¬ 
der Einheiten unterstützt und in unseren Hoffnungen 
auf die Existenz solcher Ordnungen bestärkt werden, 
übt außer der entsprechenden theoretischen auch 
eine „praktische“, eine moralische, eine religiöse Wir¬ 
kung aus. 
3) Eine Entwicklung nach dieser Richtung kann 
der Geist jedoch nur dann zeigen, wenn er den realisti¬ 
schen Drang nach einem immer größeren Mehr an 
Tatsachen zügelt, ln der Bedingtheit aller Tatsachen 
offenbart sich die Mannigfaltigkeit des Seins, aber zu¬ 
gleich seine Hinfälligkeit: sie legt die Möglichkeit ei¬ 
nes Abgleitens in das Nichts, in den Zerfall nahe. So 
fordert das Sein um seiner selber willen die Kraft der 
Einheit. Denn erst sie verbürgt ihm seine W irklich¬ 
keit. Und um der Erkenntnis dieser Sicherung und 
Sicherstellung der Erscheinungen willen rufen wir die 
Wissenschaften mit auf. Aus theoretischen, aus see¬ 
lischen, aus moralischen und aus religiösen Gründen 
sollen sie uns nicht bloß eine Nachricht über die Tat- 
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