Full text: Die Krise des Idealismus

delt er an »einen Urteilen so lange herum, bis er sich 
selber oder den anderen einzureden und glaubhaft zu 
machen vermag, seine Ansichten seien nicht durch die 
Rücksicht auf die Umstände und auf die jeweiligen 
Inhaber der Macht bestimmt, sondern sie entstamm¬ 
ten der Freiheit der eigenen Überlegung und seiner 
kritischen Selbstverantwortlichkeit. Diese Unfreiheit 
in Verbindung mit der fast stets versuchten Selbsttäu¬ 
schung über diese Unfreiheit, also eine Unwahrhaftig¬ 
keit sich selber und auch seiner Umgebung gegenüber, 
sind wohl die schlimmsten Folgen einer ausschlie߬ 
lich realistischen Einstellung zum Leben. 
b) Die Bindung an die Einzelwissenschaften. 
1) Es bedarf nicht vieler Worte, um den Wert des 
Realismus für die Einzelwissenschaften zu begründen 
und zu verdeutlichen. Er fordert und verwirklicht 
die Blickrichtung auf die Tatsachen. Und seinem 
Geiste entstammt eine Reihe auf das feinste ausge¬ 
bildeter Untersuchungsmethoden zur konkreten Erfas¬ 
sung der Gegebenheiten. Unter ihnen nimmt die ent¬ 
wicklungsgeschichtliche Betrachtung einen hohen 
Rang ein. Mit Recht. Denn dieses Verfahren scheint 
in besonderem Ausmaße geeignet, die Heranführung 
der Erkenntnis an die Tatsachen zu unterstützen und 
uns wirklich in den Besitz konkreten Wissensstoffes zu 
setzen. Daher seine unendlich häufige, beinahe unaus¬ 
gesetzte Anwendung sowohl in den Natur- als auch 
in den Geisteswissenschaften. Seiner Hilfe vor allem 
verdanken wir eine unermeßliche Fülle neuer und 
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