Volltext: Die Krise des Idealismus

nennen wir sie nun Gott oder Natur, kann die Bekun¬ 
dung innerer Kraft und Freiheit bedeuten und ein Be¬ 
weis unserer Fähigkeit sein, die Realität als solche zu 
achten und sie nicht ah unsererUnterstützung bedürf¬ 
tig aufzunehmen. 
Und begegnen wir nicht dieser ruhigen und dank¬ 
baren Zustimmung zu dem Bestehenden, sowie zu dem, 
was uns im guten und im schlechten Sinne zuteil wird, 
in den höchsten und innerlichsten Stiramungslagen des 
religiösen Lebens? Bildet sie nicht einen Grundzug 
in dem Gefühl der Frömmigkeit? Unverkennbar ist 
jeder Religion ein gewisser Realismus eingewoben. 
Er bekundet sich in seiner reinsten und stärksten 
Form in dem realistischen Ernstnehmen nicht bloß 
der von Gott geschaffenen Erscheinungen, sondern 
noch mächtiger in dem restlosen Ernstnehmen des 
Schöpfers der Erscheinungen, in der unbedingten Be¬ 
jahung seiner Existenz. Gott als ens realissimum aner¬ 
kennen, das erfordern einmal der Begriff Gottes, aber 
auch der Sinn und das W esen der realistischen Gei¬ 
steshaltung als der für die Religion notwendigen Ein¬ 
stellung. Und die berühmten Beweise für die Exi¬ 
stenz Gottes sind, ganz abgesehen von ihrem theoreti¬ 
schen Wert, über den sehr verschiedene Meinungen 
möglich sein können — man denke an ihre Kritik 
durch Kant —, echte Ausflüsse und Zeugnisse einer 
realistischen Gesinnung.- 
c) So ist es keine enge, keine befangene Weltan¬ 
schauung, die sich im Realismus ausspricht, wie bis¬ 
weilen gemeint worden ist. Wie wir in den früheren 
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