Full text: Hans Driesch

besteht 2. keine eindeutige Entsprechung von Inhalt und Ausdruck 
und darum von Ablauffolgen; 3. es besteht keine denkbare Entspre- 
duingsmöglichkeit von sinnfreien und sinngesetjlichen Abläufen, 
selbst wenn einmal eine innere Entsprechung des Physischen und 
Psychischen in einem Zeitmomeni als eindeutig notwendig anerkannt 
würde; 4. es besteht keine denkbare notwendig-eindeutige Ent- 
sprechungsmöglichkeit gewisser Bedeutungen zu materiellen Be¬ 
ziehungen; 5. es besteht endlich keine Entsprechung inbezug auf 
das von seelischer Wirklichkeit geforderte Subjekt. Alle diese Ein¬ 
wände hängen ihrerseits natürlich zusammen. Wir wollen uns das 
möglichst wenig abstrakt klar machen: Es besteht 1. keine gliedweise 
Entsprechung: Wenn mir gesagt wird, „zieh den Mantel an, es ist 
empfindlich kalt draußen, damit du dich nicht wieder erkältest“, so 
wird durch die entsprechenden Schallwellen mein Gehörorgan und 
schließlich die entsprechende Partie des Hörzentrums erregt, schon 
den je einzelnen Buchstaben müßten psychische Zustände entspre¬ 
chen, zugleidi aber entspricht dem ganzen Sat} ein Erlebnis der Be¬ 
deutungserfassung, das jenachdem dankbar oder ärgerlich quittiert 
wird. In Wahrheit entspricht den Gliedern der physischen Reihe, den 
Wellen- und Nervenvorgängen, die zu den einzelnen Buchstaben, ja 
Wörtern gehören, gar kein Bewußtseinserleben, sondern nur dem 
ganzen Sat}, und wenn man sagen wollte, schwach bewußt oder un¬ 
bewußt wären neben dem Gesamtsinn auch die Einzelworte und 
Laute, so würde eben der Gesamtheit der physischen Vorgänge 
mehreres gleichzeitig entsprechen. (Ein Franzose aber, der neben 
mir sitjt und nicht deutsch kann, wird im wesentlichen dieselben 
nervösen Vorgänge haben, aber er wird etwas ganz anderes erleben, 
nämlich nur eine Lautfolge; wenn er aber deutsch gelernt hat, wird 
für ihn dasselbe gelten wie für mich. Nebenbei: Auch ein Hinweis 
auf assoziative Einflüsse würde nicht entkräftend wirken.) 2. Es be¬ 
steht keine Eindeutigkeit der Entsprechung inbezug auf Inhalt und 
Ausdruck. Das ist das Argument, auf das Driesch besonderen Nach¬ 
druck gelegt hat, weil es im Grund dasselbe ist wie sein drittes Argu¬ 
ment gegen den Mechanismus aus dem Verhalten. Fast gleiche Reize 
können ganz verschiedene, ja entgegengesetjte Wirkungen haben, 
vollkommen verschiedene Reize gleiche Wirkungen. Ob ich in 
Schriftsprache oder Dialekt, in der Muttersprache oder einer völlig 
beherrschten Fremdsprache, in Wort oder Schrift oder auch durch 
Zeichnung oder Zeichen einen Anruf erfahre, die Wirkung ist die 
gleiche, wenn die Bedeutung und der Sinn der gleiche sind, während 
die physischen Vorgänge gliedweise und in Bezug auf die „Gestalten“ 
sehr verschieden sind; geringe Verschiedenheiten aber in Einzel¬ 
heiten können diametral verschiedene Reaktionen ergeben. Ja, es 
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