Full text: Hans Driesch

rauf wir noch eingehend zu sprechen kommen, der Folgerung aus- 
weichen, bereits die Enteleehie als psychisches Wesen anzuspreehen. 
Audi bei Driesch wird sie als solches ja nicht eingeführt, sondern 
erst nachträglich gedeutet. Wolff geht mit Driesch einig in der An¬ 
erkennung der Notwendigkeit eines vitalistischen Faktors8, aber er 
will den umgekehrten Weg gehen wie Driesch, der vom Lebenspro¬ 
blem zum Leib-Seele-Problem kommt und vom „allgemein“ vitali¬ 
stischen Faktor zum „speziell-vitalistischen“. „Der einzige speziell¬ 
vitalistische Faktor, den wir kennen, ist „die Psyche“9. Wenn aber 
Seelisches, das wir kennen, im Biologisdien eine Rolle spielt — und 
es spielt sie —, dann ist der Mechanismus unmittelbar ad absurdum 
zu führen, falls es ihm nicht gelingt, auch die seelischen Vorgänge 
mechanistisdi zu erklären. Damit aber ist ein dem dritten allerdings 
sehr nahestehender vierter Beweis gegen den Mechanismus in Er¬ 
wägung zu ziehen, und fügen wir gleidi hinzu ein fünfter. Denn im 
vierten psydiophysisdien, den wir wegen seiner großen Bedeutung 
gesondert behandeln, ist, wenn wir unserem Erleben Vertrauen 
schenken, die Freiheit inbegriffen und sie fordert für sich bereits die 
Ablehnung des Mechanismus. 
Wir haben uns bewußt bis jetjt auf die Begründung des Vitalismus 
als Antimechanismus beschränkt. Das Gewicht der Argumente, gar 
in ihrem Zusammenhalt, ist so erdrückend, daß wir den Standpunkt 
nicht mehr für einen nur möglichen, sondern für hinreichend be¬ 
gründet halten, den einzunehmen wir nicht umhin können, wenn wir 
unseren Blick auf das Leben im Ganzen und nicht nur auf jene un¬ 
teren Grenzen richten, wo die Entscheidung schwer fällt, und den 
Schauinsland dahin ausspricht, daß er die Bemühungen, das Leben 
als Maschinengeschehen und aus Zufall und Elementargesetjen er¬ 
klären zu wollen, als unfaßbar absurd kennzeichnet. Ehe wir nun 
auf die Versuche der Alternative auszuweichen einerseits, auf die 
mit der Entscheidung für den Vitalismus sich ergebende Feinstruktur 
anderseits eingehen, haben wir nun also das vom Lebensproblem un¬ 
trennbare Leib-Seele-Problem zu erörtern. 
8 Auch er würde zwar deu Mechanismus selbst dann nicht für gegeben und 
vertretbar halten, wenn der Organismus als Maschine erklärbar wäre; denn auch 
eine Maschine sei nicht mechanistisch verständlich, a. a. 0., S. 359/60. 
9 a.a.O. S. 359: Schon die Sinnesempfindungen verstehen wir ja nur unter psy¬ 
chischen Gesichtspunkten; die Tätigkeit des Herzens mögen wir noch kausal 
erklären, die des Auges erfordert das Psychische als Sinn; der Instinkt und das 
Handeln fordert „speziell-vitalistische“, d. h. psychische Faktoren. 
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