selbst entstand, sondern eine zielgerechte Anordnung darstellt, tre¬
ten Naturgesetze auf, die wir noch offen lassen müssen und dürfen,
die nun zu organischen Erscheinungen führen, die aber, auch wenn
wir sie noch nicht kennen, insofern physikochemische Gesetje heißen
dürfen, als sie „von selbst“, mit Notwendigkeit, ohne weitere Len¬
kung ihrer Wirksamkeit, „nach Bedarf“ von einem Zustand zu dem
nach den jeweiligen Bedingungen je nächsten führen würden. Allein
diese immerhin noch mechanistisch zu nennende Reduktion auf die
Urzeugung würden den Drieschschen Argumenten gegenüber — und
zwar auch schon dem ersten experimentellen gegenüber, auf das
Rhumbler seine Argumentation einschränkt, — ebenso versagen wie
der gewöhnliche Mechanismus. 2. Vom physikalischen Standpunkt
aus aber ist zu sagen, daß mit der Flucht in die Mechanik der Kon¬
tinua prinzipiell nichts gewonnen wird. Für flüssige oder wieder ver¬
flüssigte Substanzen gelten nicht minder, so lange sie als nur der
Physik und Chemie unterstehend betrachtet werden, die Gesetje,
daß die innere Verteilung von Energie und Impuls zusammen mit
den Randbedingungen den Ablauf bestimmt. Wenn nun auch hei
Trennung von in flüssigem Zustand befindlichen Systemen sich in
den Teilen ein analoger Zustand wieder herstellt, so ist doch die
Analogie zu den Drieschschen Versuchen nur eine scheinbare. Bei
diesen lag im Keim vor dem Eingriff ein zu noch weiterer Differen¬
zierung angelegtes Gebilde vor und diese Anlage und Tendenz zu
weiterer Differenzierung, reicherer Mannigfaltigkeit blieb bei der
Teilung erhalten; in anorganischen Flüssigkeiten aber können sich
nach physikochemischen Gesetzen bei einer Teilung nur allenfalls eben¬
solche Gebilde wieder herstellen. Ja, wir können gleich ganz allgemein
sagen: Physikochemisch, mechanistisch im weitesten Sinn würden wir
solche bekannte oder noch unbekannte Gesetje der Natur heißen, die
bei gegebenen inneren Anfangsbedingungen und Randbedingungen
eine Materieverteilung und -anordnung in eine andere mit grundsätz¬
lich mathematisch ausdriickbarer Notwendigkeit oder doch mathema¬
tisch angebbarer Wahrscheinlichkeit überführen; anders ausgedriiekt:
t I- .1 t bestimmt ist, wenn der für t gegeben ist. Heißen wir dann
solche Gesetze, die sich grundsätzlich durch Gleichungen und Diffe¬
renzialgleichungen ausdrücken lassen, so, daß der Zustand für
eine Maschine ein gestaltetes zusammengesetztes materielles Gebilde,
das dank seiner Anordnung und der Beziehungen seiner Teile defi¬
nierbare Funktionen ausübt, so kann ein Organismus schon wegen
des „Seeigel-Argumentes“ keine Maschine, auch keine flüssige und
chemische sein. Denn falls man selbst unterstellen wollte, daß ein
Teilgebilde auf Grund gegebener innerer Ordnung und Kräfte durch
geeignete Aufnahme von Substanz und Energie sich vergrößert, so
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