Full text: Hans Driesch

selbst entstand, sondern eine zielgerechte Anordnung darstellt, tre¬ 
ten Naturgesetze auf, die wir noch offen lassen müssen und dürfen, 
die nun zu organischen Erscheinungen führen, die aber, auch wenn 
wir sie noch nicht kennen, insofern physikochemische Gesetje heißen 
dürfen, als sie „von selbst“, mit Notwendigkeit, ohne weitere Len¬ 
kung ihrer Wirksamkeit, „nach Bedarf“ von einem Zustand zu dem 
nach den jeweiligen Bedingungen je nächsten führen würden. Allein 
diese immerhin noch mechanistisch zu nennende Reduktion auf die 
Urzeugung würden den Drieschschen Argumenten gegenüber — und 
zwar auch schon dem ersten experimentellen gegenüber, auf das 
Rhumbler seine Argumentation einschränkt, — ebenso versagen wie 
der gewöhnliche Mechanismus. 2. Vom physikalischen Standpunkt 
aus aber ist zu sagen, daß mit der Flucht in die Mechanik der Kon¬ 
tinua prinzipiell nichts gewonnen wird. Für flüssige oder wieder ver¬ 
flüssigte Substanzen gelten nicht minder, so lange sie als nur der 
Physik und Chemie unterstehend betrachtet werden, die Gesetje, 
daß die innere Verteilung von Energie und Impuls zusammen mit 
den Randbedingungen den Ablauf bestimmt. Wenn nun auch hei 
Trennung von in flüssigem Zustand befindlichen Systemen sich in 
den Teilen ein analoger Zustand wieder herstellt, so ist doch die 
Analogie zu den Drieschschen Versuchen nur eine scheinbare. Bei 
diesen lag im Keim vor dem Eingriff ein zu noch weiterer Differen¬ 
zierung angelegtes Gebilde vor und diese Anlage und Tendenz zu 
weiterer Differenzierung, reicherer Mannigfaltigkeit blieb bei der 
Teilung erhalten; in anorganischen Flüssigkeiten aber können sich 
nach physikochemischen Gesetzen bei einer Teilung nur allenfalls eben¬ 
solche Gebilde wieder herstellen. Ja, wir können gleich ganz allgemein 
sagen: Physikochemisch, mechanistisch im weitesten Sinn würden wir 
solche bekannte oder noch unbekannte Gesetje der Natur heißen, die 
bei gegebenen inneren Anfangsbedingungen und Randbedingungen 
eine Materieverteilung und -anordnung in eine andere mit grundsätz¬ 
lich mathematisch ausdriickbarer Notwendigkeit oder doch mathema¬ 
tisch angebbarer Wahrscheinlichkeit überführen; anders ausgedriiekt: 
t I- .1 t bestimmt ist, wenn der für t gegeben ist. Heißen wir dann 
solche Gesetze, die sich grundsätzlich durch Gleichungen und Diffe¬ 
renzialgleichungen ausdrücken lassen, so, daß der Zustand für 
eine Maschine ein gestaltetes zusammengesetztes materielles Gebilde, 
das dank seiner Anordnung und der Beziehungen seiner Teile defi¬ 
nierbare Funktionen ausübt, so kann ein Organismus schon wegen 
des „Seeigel-Argumentes“ keine Maschine, auch keine flüssige und 
chemische sein. Denn falls man selbst unterstellen wollte, daß ein 
Teilgebilde auf Grund gegebener innerer Ordnung und Kräfte durch 
geeignete Aufnahme von Substanz und Energie sich vergrößert, so 
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