Full text: Hans Driesch

halb wirkender Faktorenkomplex schon irgendwie in naturgesetp 
licher Verbindung ständen“ (S. 74). Eine verzweifelt um die Rettung 
einer Möglichkeit des Medianismus ringende Sprache! Entkleiden 
wir den Satj dieser Verhüllung, so würde auf den ersten Bliek der 
Gedanke an dem oben zitierten Drieschs erinnern, daß allerdings 
eine „Maschinentheorie des Lebens“ audi vitalistisch annehmbar 
wäre, nur daß eben nidit vergessen werden dürfe, daß auch eine 
Maschine einen „Maschinentreiber*’, Ingenieur und Konstrukteur 
fordere, — und daß dann trotjdem nodi eine entscheidende Wesens¬ 
kluft zwischen physikalisch-diemisdien und organisdien Systemen be¬ 
stehe, ja daß schließlich die Erfahrung bestehe, daß ein Organis¬ 
mus doch kein Medianismus sei. Rhumbler will die Zielstrebig¬ 
keit in eine Erstanordnung der Urzeugung verlegen, doch sdieinen 
seine letzten Worte audi die Türe zu einer entelechialen Beeinflus¬ 
sung bei der Urzeugung des organischen Stoffes offen zu lassen. 
Grundsätjlich ist gegen seinen Rettungsversudi des Mechanismus 
klar und rückhaltlos zu sagen: 1. Das von uns oben mit (!) gekenn¬ 
zeichnete „denknotwendig“ wäre logisdi ganz unzulässig, wenn es in 
dem Zusammenhang „Dem Medianisten scheint es notwendig . . .“ 
nicht bedeuten würde: „falls idi mich auf den — nicht denknot¬ 
wendigen — mechanistischen Standpunkt stelle, folgt als denknot¬ 
wendig . . .“ Aber selbst diese Folgerung ist wohl nicht denknotieen- 
dig, sondern nur denkwillkommen, naheliegend. Immerhin ist es 
bemerkenswert, daß Rhumbler als Medianist annehmen zu müssen 
glaubt, daß doch wenigstens mit der „ersten organischen Stoffkom- 
posision bei der Urzeugung“ zielstrebige Faktoren „irgendwie“ in 
„naturgesetjlicher“ Verbindung stehen. Was aber hieße eine solche 
Reduktion auf die Urzeugung? Sie könnte entweder heißen: mit der 
„ersten organischen Stoffkomposition“, die allerdings nur zielstrebig, 
also teleologisch, sei es durch „entelediiale Faktoren“, sei es durdi 
göttliche Schöpfung zu verstehen wäre, ist eine Anordnung gegeben, 
auf Grund deren nach den uns bekannten oder nadi uns nodi un¬ 
bekannten, vielleicht nur bei dieser Anordnung in Kraft tretenden, 
jedenfalls aber nun rein kausalen Naturgesetjen die Entwicklung der 
Organismen und zu den Organismen sich vollzieht. Oder sie könnte 
heißen: zu dieser Stoffkomposition gehören besondere Naturgesetje, 
und mit jeder hieraus sich ergebenden Neuordnung treten wieder 
entsprechende besondere Geseke in Kraft. Auf diese zweite Deu¬ 
tung, die wir bereits einen reduzierten Vitalismus nennen würden, 
werden wir hei Erörterung der „Feinstruktur“ des Vitalismus noch 
zurückkommen. Nur die erste Deutung also könnte man einen (redu¬ 
zierten) Mechanismus heißen. Sie würde, um es zu wiederholen, aus- 
sagen: Bei einer gewissen Stoffkomposition, die allerdings nicht von 
76
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.