Full text: Hans Driesch

lichkeit des Geistes auftritt, so daß wir im großen einen Trialismus 
hätten: Materiell-physikalisches Reich, enteledhial-psychisches Reich, 
Reich des geistigen Lebens. Was neu ist, ist die Wolterecksche „Inne- 
werdung“, das reflektierende Selbstbewußtsein und Wertbewußt¬ 
sein, die Fähigkeit zur Betrachtung des Allgemeinen, die Dienst¬ 
barkeit nicht mehr für das Leben und seine Erhaltung, sondern für 
einen höheren Sinn. Kein Zweifel: Sinn des Lebens kann für 
Pflanze und Tier nur das Erleben des Lebenswertes sein; für die 
Pflanze nahmen wir die Teilnahme an der Erfüllung ihrer Idee und 
ein „sinnliches“ Erleben der Umwelt je nach ihrer Bedeutung für 
ihre Triebe an, für das Tier, jedenfalls das höhere Tier — denn das 
niedrigere steht vielleicht in mancher Hinsicht der Pflanze näher 
als dem höheren — werden wir ein individuelles seelisches Erleben 
des Wechselspiels von Triebwelt und Umwelt, von Üxküllscher Merk¬ 
welt und Wirkwelt, annehmen; der Mensch ist ausgezeichnet durch 
die Überschreitung des nur vitalen und triebhaften Gehäuses, durch 
die Bezogenheit auf eine Wertwelt und ihre Gegenüberstellung zur 
Seinswelt, durch die Rechenschaftsablage, Besinnung und Selbst¬ 
bewußtsein, durch die Gottbezogenheit, — wie verschieden er auch 
Gott sich denkt —-, durch den unmittelbaren Bezug also zu dem 
Absoluten; er ist doppelpolig mit dem vitalen Ich als dem einen 
Pol und dem geistigen Ich als dem anderen. Ist dies nur ein Grad¬ 
unterschied oder der Unterschied zweier Schichten? Wenn auf dieser 
Stufe eigene Gesetje gelten, müssen wir die Frage im letzteren Sinn 
beantworten. Und es gelten eigene Gesetze, Gesetze, die die des Le¬ 
bens und Erlebens überschreiten. Möchte man die Nahrungssuche, 
Nahrungsbereitung und Nahrungssorge wie überhaupt die praktische 
Intelligenz des Menschen noch als Fortsetjung tierischen Instinktes 
ansehen, als Mittel, dessen sich das Leben bedient zum gleichen 
Zweck, zu dem sich die Natur beim Tier des Instinktes bedient 
(Kant), — Religion, Ethos, Wissenschaft und Kunst folgen höheren 
als Lebensgese^en auch im erweiterten Sinn, so wahr sie für den 
Menschen nicht im Dienst des Lebens stehen, sondern, sobald nur 
des Lebens Notdurft als Grundlage gestellt ist, er das Leben in ihre 
Dienste stellen muß. 
2. Die Stufe des Geistes 
Man kann den Menschen, um die Prägung Werner Sombarts zu 
gebrauchen, nicht animalistisch behandeln, sondern muß ihn homi- 
nalistisch betrachten, wenn man ihm gerecht werden will. Das ist 
natürlich auch die Meinung Drieschs, wenngleich er in Bezug auf 
die Frage der Dreischichtigkeit Materie -—Leben — Geist als Natur- 
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