Full text: Logik

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II. Elementarlehre. 
Richtung-, Mittleres: Gleichheit, Ruhe. Im Richtungsgegen¬ 
satz ist die Kontrarietät relativiert. Zugleich erlangt so 
die Dichotomie einen neuen Sinn: es gibt unter einem Ge¬ 
sichtspunkt der Unterscheidung in einer echten Gattung 
unendliche Unterschiede, aber nur zwei Unterscheidungs- 
richtungeu, mathematisch auszudrücken durch die Zeichen 
-(- und —. 
§ 16. Die Kategorieen der Qualität. 
Kants Aufstellung der drei Qualitätskategorieen ging 
aus von der überlieferten Einteilung der Urteile der 
Qualität nach in bejahende und verneinende. Der Zweifel 
gegen eine spezifische logische Bedeutung der Verneinung 
erledigt sich dadurch, daß das Nichtsein eine Inhalts¬ 
beziehung ausdrückt so gut wie das Sein, nämlich das 
Anderssein. Aber durch das bloße Anderssein wird das 
Subjekt noch nicht bestimmt; deshalb heißen bei Aristoteles 
verneinende Begriffe, wie nicht-gleich, Nicht-Mensch, un¬ 
bestimmte Begriffe, und in der Wölfischen Schule Urteile 
mit solchen Prädikaten propositiones infinitae. An den 
letzteren Ausdruck anknüpfend unterschied Kant vom ver¬ 
neinenden Urteil, in welchem die Negation zur Kopula ge¬ 
höre (JS ist-nicht A), das unendliche oder limitierende, in 
welchem sie zum Prädikat gehöre (B ist ein Nicht-^4). 
Durch das erstere werde das Subjekt bloß aus der Sphäre 
des Begriffs A ausgeschlossen, durch das letztere in die, 
nur durch Aussonderung des Begriffs A „limitierte“, übrigens 
„unendliche“ Sphäre außerhalb desselben positiv gesetzt. 
Allein schon die Verneinung setzt eine Grenze des ver¬ 
neinten Prädikats, setzt eben damit das Jenseits, und setzt 
also das Subjekt, da sie es doch überhaupt setzt., notwendig 
in die jenseitige Sphäre; sie setzt es, rein qualitativ aus¬ 
gedrückt, als von A verschieden. Somit leistet schon die 
Negation das, was Kant der Limitation zuschreibt; diese 
giebt nur eine schärfere Erklärung der Verneinung, nicht 
eine neue Urteilsart. Aber der Prozeß der qualitativen 
Synthesis ist damit nicht abgeschlossen. Die Unbestimmt¬ 
heit dieser zweiten Art der Setzung muß in einer dritten 
durch eine neue Bestimmtheit überwunden werden. Und 
zwar, wie in der Qualität die Allheit „Vielheit als Einheit
	        

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