Full text: Über die Freiheit

Dank dem Handel, der Religion, den geistigen 
und sittlichen Fortschritten des Menschengeschlechts 
gibt es bei den europäischen Völkern keine Sklaven 
mehr. Freie Menschen müssen alle Berufe ausüben, 
alle Bedürfnisse der Gesellschaft befriedigen. 
Das notwendige Ergebnis dieser Unterschiede, 
meine Herren, ist leicht zu erkennen. 
Erstens: Je grösser ein Land ist, desto kleiner wird 
das politische Gewicht, das einem jeden Einzelnen 
zufällt. Der unbekannteste Republikaner Roms oder 
Spartas war eine Macht, der einfache Bürger Gross- 
britanniens oder der Vereinigten Staaten bedeutet 
beinahe nichts. Sein persönlicher Einfluss ist ein un¬ 
merkliches Teilchen des gemeinschaftlichen Willens, 
welcher der Regierung die Richtung weist. 
In zweiter Linie hat die Aufhebung der Sklaverei 
der freien Bevölkerung alle Müsse genommen, wel¬ 
che aus dem Umstand erwachsen war, dass die Skla¬ 
ven die meisten Arbeiten besorgten. Ohne sie hätten 
nicht jeden Tag 20 000 Athener auf dem öffentlichen 
Platz beraten können. 
Drittens: der Handel schafft nicht, wie der Krieg 
es tut, Zeiten der Untätigkeit im Menschenleben. 
Die ständige Ausübung der politischen Rechte, die 
tägliche Erörterung der Staatsgeschäfte, die Miss¬ 
helligkeiten und Aussöhnungen, der ganze Schwarm 
der Parteien und all ihre Unruhe, sie sind notwen¬ 
dige Bewegungen, unumgängliches Füllwerk, wenn 
ich dies Wort gebrauchen darf, im Leben der freien 
Völker des Altertums, welche sich ohne derartige 
Hilfsmittel vor Untätigkeit zu Tode gelangweilt
	        
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