Full text: Über die Freiheit

den Augen zu verlieren. Die Fahrt durch die Säulen 
des Herkules, das heisst durch die Meerenge von 
Gibraltar, galt als das kühnste Unterfangen. Die 
Phönizier und die Karthager, die geschicktesten See¬ 
fahrer, wagten es sehr spät, und ihr Beispiel fand 
lange keine Nachahmer, in Athen, von dem wir 
bald sprechen werden, betrug der Zins für ein See¬ 
darlehen ungefähr 6о Prozent, während für ein ge¬ 
wöhnliches Darlehen nur 12 Prozent verlangt wur¬ 
den; als so gross erachtete man die mit einer weiten 
Seereise verbundenen Gefahren. Überdies, wenn ich 
abschweifen dürfte, was leider zu weit führte, würde 
ich Ihnen, meine Herren, an den Sitten, an den Ge¬ 
bräuchen, am Vorgehen der handeltreibenden Völ¬ 
ker des Altertums zeigen, dass selbst ihr Handel so¬ 
zusagen vom Zeitgeist, von der Luft des Krieges und 
der Feindseligkeit, durchtränkt war. Der Handel 
war damals ein glücklicher Zufall; heute ist er der 
gewöhnliche Zustand, das einzige Ziel, das allge¬ 
meine Streben, das eigentliche Leben der Völker. 
Diese begehren Ruhe, mit der Ruhe Wohlstand und 
als Quelle des Wohlstandes Industrie. Von Tag zu 
Tag verringern sich die Aussichten des Krieges, ihre 
Wünsche zu erfüllen. Seine Möglichkeiten bieten 
weder den Einzelnen noch den Völkern einen Ge¬ 
winn, welcher den Ergebnissen der friedlichen Arbeit 
und des regelmässigen Austausches gleichkäme. Im 
Altertum vermehrte ein glücklicher Krieg mit Skla¬ 
ven, Tributen und Ländereien den öffentlichen und 
privaten Reichtum. In der Neuzeit kostet ein glück¬ 
licher Krieg unfehlbar mehr, als er einträgt. 
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