Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

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znge in das heilige Land gewährt wurde. So strömten ans 
Holland, Seeland, Brabant, Friesland, aus den Rhein- und Mosel¬ 
gegenden, ja aus Flandern und der Picardie1) grosse Schaaren 
solcher Kreuzfahrer herbei; so gross war in Folge dessen das 
vor Aachen versammelte Heer, dass es von einem Schriftsteller 
jener Zeit mit einem Heuschreckenschwarme verglichen wird1 2); 
sie kamen herbei, um zu streiten gegen die Bürger einer Stadt, 
welche mit kirchlichen Strafen bedroht waren, weil sie treu zu 
ihrem rechtmässigen Herrn hielten! Aber sogleich nach Beginn 
der Belagerung hatte es sich gezeigt, dass die Eroberung der 
Stadt ihnen viele Mühe machen werde. 
Als nemlich ein Teil der Belagerer ein Thor der Stadt 
unvorsichtiger Weise angegriffen hatte3), leisteten die Bürger 
nicht nur tapferen Widerstand, sondern machten einen Aus¬ 
fall, schlugen die Angreifenden mit grossen Verlusten zurück 
und wurden nur durch die hereinbrechende Nacht an weiterer 
Verfolgung gehindert. Dieser erste missglückte Angriff brachte 
schon einen grossen Schrecken in das Belagerungsheer. Den 
ganzen Sommer hindurch konnte man nichts ausrichten, obgleich 
häufig Angriffe auf die Stadt gemacht und den Mauern durch 
grosse Belagerungsmaschinen, Bliden genannt, arg zugesetzt 
wurde4). Noch immer waren einige Thore der Stadt nicht 
besetzt worden, so dass die Bürger ungehindert aus- und ein- 
gehen konnten. Auf diese Weise erhielten sie mehrfach Briefe 
von König Konrad, worin er ihnen baldigen Entsatz versprach 
und sie zum muthigen Widerstand ermahnte; die staulische 
Besatzung der Stadt hat wohl vor allem mitgewirkt, dass die 
Bürger sich nicht ergaben. Besonders nachteilig war für Wil¬ 
helm , dass der Erzbischof von Köln im Bunde mit dem von 
1) Ann. S. Pant. M. G. SS. XXII, 543, 17. 18. Ausg. v. Waitz 293. 
2) Matth. Par. ed. Luard V, 26: Totam patriam exercitus praelotorum 
numerosus ad instar locustarum cooperuit. 
3) Diese Episode überliefern uns die Ann. S. Pant. SS. XXII, 543. 
Ausg. v. Waitz 292. 293. 
4) Cumque exercitus regis frequentes sic faceret insultus, et per 
magnas machinas dictas „bliden“ lapides contorquerent, modicum pro¬ 
fecerunt, quia per quasdam portas non obsessas patuit introitus et exitus 
advenientibus et obsessis. Ann S. Paul. SS. XXII, 543. 
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