Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

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nach der Wahl, ein Vertrag zwischen Wilhelm und den Bür¬ 
gern zu Stande, wonach ihm die Bürger auf folgende Bedin¬ 
gungen hin Einlass in die Stadt gewährten: der König musste 
ihnen versprechen, alle ihre Rechte, Freiheiten und guten Ge¬ 
wohnheiten zu wahren, sie vom Zoll zu Boppard, Kaiserswerth 
und von allen ungerechten Zöllen zu befreien; beim Einritt in 
die Stadt nur eine massige Begleitung von Bewaffneten mitzu¬ 
bringen und kein Heer gegen sie zu führen, keinen Reichstag 
in der Stadt zu halten; nichts gegen ihren Willen von den Bür¬ 
gern zu erpressen, besonders keine Geldhilfe von ihnen zu ver¬ 
langen, keinen Bürger wegen eines in Köln begangenen Ver¬ 
brechens vor Gericht zu ziehen, keine Befestigung im Erzbis- 
tume anlegen zu lassen, sie in keiner Gefahr zu verlassen1). 
Wenn die Bedingungen, auf welche Wilhelm hier eingehen 
musste, auch noch so erniedrigend für ihn waren1 2), so halte 
er dennoch einen grossen Vorteil erlangt, das mächtige Köln 
nicht mehr auf der Seite des Feindes zu wissen, der an ihr 
am Niederrhein eine starke Stütze gehabt hätte, zumal da es 
Wilhelm — wie immer wieder betont werden muss — durch¬ 
aus an Mitteln fehlte, mit Gewalt gegen eine solche Stadt vor¬ 
zugehen. Dass auch der Papst den grossen Vorteil, welchen 
seine Partei durch den Uebertrilt Kölns erlangte, zu schätzen 
wusste, zeigt sein am 19. Nov. 1247 an die Bürger ausgefertig¬ 
ter Brief, worin er ihnen für die Anerkennung König Wilhelms 
dankte und sie zur Treue ermahnte3). Wie schwer es dem 
König werden sollte, auch geringere Städte als Köln mit Waffen¬ 
gewalt zu erobern, sollte er bald an dem kleinen Kaiserswerth 
erfahren, eine Stadt, welche er zuerst einzunehmen gedachte. 
In Begleitung des Legaten Capocci zog der König, nach¬ 
dem er den Bürgern zwei Urkunden, die oben genannten Be¬ 
dingungen enthaltend, ausgestellt hatte, in Köln ein, und die 
1) Reg. nr. 2. 
2) Ara besten charakterisiert sich wohl die Stellung der Stadt zu dein 
König dadurch, dass er nicht einmal eine Geldhilfe von ihr verlangen 
durfte! 
3) Böhmer, Keg. imp. 1246—1313, S. 315 nr. 41.
	        
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