Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

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päpstliches Geld! — dazu als Ersatz für die ßelagerungskosteu- 
und fernere Mühen zu geben1). Anstatt also die Einkünfte der 
Reichsburg für sich verwenden zu können, musste Wilhelm 
vielmehr seinem Anhänger nicht nur den soeben erworbenen 
Gewinn, sondern noch eine grosse Geldsumme dazu überlassen. 
Das nächste Erforderniss, welches nach der Wahl eines 
römischen Königs geschehen musste, war bekanntlich die Krö¬ 
nung zu Aachen. Auch hierauf musste Wilhelm vorläufig ver¬ 
zichten. Denn in Aachen lag eine starke staufische Besatzung, 
und auch die Bürgerschaft hielt treu zu ihrem Kaiser Friedrich 
und König Konrad1 2). Zu einer nachdrücklichen Belagerung der 
Stadt aber zu schreiten, war seine Partei noch nicht stark 
genug. Es wurde daher beschlossen, zunächst die kleineren 
Orte des Niederrheins, grösstenteils Reichsstädte, welche man 
leichter zu gewinnen hoffte, zu belagern. Aber viel musste der 
Partei darauf ankommen, Köln, die grösste und bedeutendste 
Stadt dieser Gegend und — damals — auch wohl ganz Deutsch¬ 
lands für sich zu gewinnen. An eine gewaltsame Einnahme 
dieser so mächtigen Stadt war natürlich im päpstlichen Lager 
nicht zu denken. Man begann daher, Unterhandlungen mit den 
Bürgern anzuknüpfen. Wilhelm hatte sich in die vier Stunden 
nördlich von Köln gelegene Stadt Neuss, dem Erzbischof Kon¬ 
rad gehörig, begeben, und hier kam auch am 9. Oct., 6 Tage 
1) Heg. nr. 1. und Böhmer, Acta imp. 1 nr. 351. Letztere Urkunde 
ist ohne Zweifel so zu verstehen, dass die Besatzung von Nimwegen vom 
Grafen von Geldern zwar zur Uebergabe gezwungen und bereit ist, aber 
sich geweigert hatte, ihn selbst als Herrn anzuerkennen, da die Burg zum 
Reichsgule gehörte. Daher musste Wilhelm, als er die Burg, welche an 
das geldrische Gebiet grenzte, dem Grafen verlieh, der Besatzung noch 
den besonderen Befehl zukommen lassen, die Burg dem Grafen zu iiber- 
gebeu. Denn wenn dieselbe überhaupt noch nicht erobert war, würde 
der König kaum einen solchen Befehl an die Besatzung haben ergehen 
lassen. Fliernach ist wohl zu ändern, was Böhmer, Heg. imp. 1246—1313, 
S. XV aus der Urkunde nr. 351 (in seinen Hegesten Wilhelms) schliesst: 
die Burg sei damals noch staufisch gewesen. 
2) Das Chronicon Balduini Ninoviensis (M. G. SS. XXV, 543, 21 IT.) 
sagt: ejusdem loci (i. e. civ. Aquens.) ipsius (Wilhelmi) ditioni, Frederico 
vivente, subinittere nolebant.
	        
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