Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

über die Neubesetzung des Lütticher Bischofstuhles >) und ohne 
Zweifel auch über die Wahl eines neuen Königs verhandelt 
hatte, nach Deutschland zurück und betrieb nun ebenfalls eifrig 
die Neuwahl2). Der Erzbischof Siegfried von Mainz, gleichfalls 
ein eifriger Anhänger der päpstlichen Partei, berief in Gemein¬ 
schaft mit dem päpstlichen Legaten alle Anhänger des Papstes 
auf Michaelis (Sept. 29):1) nach Köln zusammen4); was der Erz¬ 
bischof als Zweck dieser Versammlung angegeben hat, wissen 
wir freilich nicht, da uns sein Schreiben nicht erhalten ist; 
doch glauben wir annehmen zu dürfen, dass, da grade der 
Erzbischof von Mainz die Fürsten beruft, dieses Schreiben eine 
Art Vorläufer jener Wahlausschreiben ist, welche die Erzbischöfe 
von Mainz später5) nach der Erledigung des deutschen Königs¬ 
thrones an die Wahlfürsten zu senden hatten. Dass in diesem 
Schreiben aber gradezu zur „Beteiligung an der Wahl“ auf¬ 
gefordert wurde, ist nicht wahrscheinlich6), sondern man wollte 
seine Parteigenossen nur vereinigen, um dann, falls bis zu dem 
ältere: Burckhardt, Konrad von Hochstaden, Erzbischof von Köln 1238 
—1261. Bonn 1843, und Decker, Konrad von Hostaden, Erzbischof von 
Köln 1238 — 1261. Bonn 1871. 
1) Am 16. Oct. 1246 war der Bischof ltobert (von Torote) gestorben. 
Gams, Series episcoporum 249. 
2) Cardauns, Konrad 23 sagt sogar: ,,Der spätere Verlauf der Wahl¬ 
angelegenheit lässt ja kaum einen Zweifel, dass Konrad die Seele der¬ 
selben war, mehr als der Cardinal Peter Capocci“. Aber es sind doch 
grade der Erzbischof von Mainz und der Cardinal, welche die Fürsten 
zusammenberufen. Dass Konrad, ebenso sehr wie der Erzbischof von 
Mainz, wo er konnte, für seine Partei strebte, ist gewiss; dass er aber 
grade im Mittelpunkte derselben gestanden habe, geht nicht aus den 
Quellen hervor. Cardauns hat hier vielleicht etwas zu sehr für seinen 
„Helden“ gesprochen. 
3) Albert von Stade, SS. XVI, 371,24. Menconis chron. SS. XXIII, 541. 
12. 13. 
4) Erkunde des Bischofs Simon von Paderborn 1247, Sept. 25 bei 
Schalen, ann. Paderb., opera III, 41. 
5) Schon Otto von Freising, Gesla Fried. I. spricht von einem Rechte 
des Erzbischofs. Waitz, Verf.-Gcsch. VI, 148, n. 6. 
6) Wie auch aus den Worten der in Anm. 4 (oben) genannten 
l rkunden hervorgeht: ad curiam pro necessitate universalis ecclesiae.
	        

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