Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

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als Schiedsrichter angerufen, konnte Wilhelm diese ihm über¬ 
tragene Gewalt leicht in der Weise erweitern, wie es ihm in 
der That gelungen ist. Freilich ist immer zu beachten, dass 
die getroffenen Bestimmungen eben nur Bestimmungen waren, 
deren Befolgung von den Bundesmitgliedern abhing. Ob es 
Wilhelm im einzelnen Falle gelingen würde, seinen Anordnungen 
Beachtung zu verschaffen, dazu sollte es nicht mehr kommen. 
Ohne Zweifel wäre der Bund, sobald ein Streit ausbrach, wieder 
in die Factionen der Herren und der Städte zerfallen, und der 
König hätte sich, wie nach den bisherigen Massregeln zu ver- 
muthen, auf die Seite der letzteren gestellt. 
Dass aber König Wilhelms Ansehen trotz seiner Erfolge, 
welche diese Politik aufzuweisen hatte, nicht sehr gewachsen 
war, sehen wir daraus, dass ein Bitter, Hermann von Rietberg, 
sich nicht scheute, die Gemahlin des Königs, Elisabeth, als sie 
in Begleitung des Grafen Adolf von Waldeck von Oppenheim 
nach der Burg Trifels ritt, zu überfallen, ihrer Kleinodien zu 
berauben und gefangen auf seine Burg llietberg zu führen. Am 
4. December wurde sie von einigen Mitgliedern des rheinischen 
Bundes, welche gegen den Friedensbrecher auszogen, wieder 
befreit. 
5. König- Wilhelms Tod im Feldzug-e g-eg-en die Friesen, 1256. 
Nachdem der König im Laufe des Jahres 1255 die Gefahr 
der Entthronung von sich abgewendet und durch seine Stellung 
zum rheinischen Bunde eine im Verhältnis zu den ersten Jahren 
seiner Regierung nicht unbedeutende, wenn in Wirklichkeit auch 
ziemlich geringe Machtstellung erworben hatte, dachte er jetzt 
daran, sich auch die Kaiserkrone vom Papste aufs Haupt setzen 
zu lassen. Schon im Jahre 1254 hatte ihn Innocenz IV. auf¬ 
gefordert, zu Weihnachten d. J. die Romfahrt anzutreten, da 
jetzt auch Konrad IV. gestorben sei. Aber die ungünstigen 
Verhältnisse in Deutschland, sowie der Tod Innocenz IV. hatten 
damals den Vorsatz verhindert. In dem Schreiben an die 
Fürsten im August 1255 hatte nun Alexander IV. wiederum 
von der bevorstehenden Kaiserkrönung gesprochen. 
Aber bevor er den Zug über die Alpen antrat, wollte er 
zunächst die Friesen völlig unterwerfen. Er hatte, wie wir
	        
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