Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

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mul den Fürsten der 25. Juli (1255) zu einer Zusammenkunft 
und Beralhung zu Nürnberg angesetzt. Ottokar hatte während¬ 
dessen eine zweite Gesandtschaft an die Curie — jetzt an Papst 
Alexander IV. — geschickt und hoffte, dass diese bis zu dem 
bestimmten Tage, 25. Juli, von dort zurückgekehrt sein werde, 
um nach dem vom Papste gegebenen Bescheid seine weiteren 
Massregeln einrichten zu können. Aber die Rückkehr der Ge¬ 
sandten verzögerte sich, und Ottokar war deswegen zum Ter¬ 
mine nicht in Nürnberg erschienen *). Innocenz IV. Nachfolger 
auf dem päpstlichen Stuhle, Alexander IV., welcher am 12. De- 
cember 1254 erwählt war1 2), schlug aber denselben Weg ein, 
wie sein Vorgänger. Er verfolgte alles, was in irgend einer 
Verbindung mit den Staufen stand, auf jede Weise. So gab 
dieses Princip auch hier den Ausschlag. Wenn auch die Wahl 
Ottokars nicht grade zu Gunsten der staußschen Partei, welche 
ja jetzt nach Konrads IV. Tode in Deutschland immer mehr 
verschwand, ins Werk gesetzt wurde, so war sie doch wider 
den ehemaligen Gegenkönig der Staufen gerichtet. Schon das 
war für Alexander Grund genug, dagegen einzuschreiten. Dazu 
kam aber vor allem, dass ja der von den deutschen Fürsten 
aufgestellte Candidat der mächtigste Fürst in Deutschland war, 
dem es, wenn er die Krone erlangte, wohl nicht schwer wurde, 
den alten Glanz des deutschen Königtums wieder herzustellen. 
Dass er dabei mit der Curie in Konilict gerathen musste, war 
natürlich: die Macht, welche die Curie in und über Deutsch¬ 
land erlangt hatte, würde er beseitigt haben. Das veranlasste 
den Papst, die Ausführung des Planes möglichst zu verhindern. 
Bald nachdem daher die Gesandtschaft Ottokars bei ihm ein¬ 
getroffen, entsandte er — am 25. August3) — ein Ermahnungs¬ 
1) Der zweite Grund hierfür: dass nemlich Ottokar die Noth der Ein¬ 
wohner durch seinen Durchzug nicht hätte vergrössern wollen, ist zwar 
ein guter Beweis, wie genau der Verfasser mit den Verhältnissen jener 
Zeit bekannt war (Busson a. a. O. S. 150), aber für Ottokar in Wirklich¬ 
keit doch wohl nicht massgebend gewesen: dies ist vielmehr wohl gradezu 
als ,,Stilübung“ zu betrachten. 
2) Potth. II, S. 1286. 
3) Grade aus dieser zeitlich wohl zu einander passenden Folge der 
Briefe des Papstes am 25. August und der nach dem Verfasser der Stil-
	        
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