Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

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ausdehnte. Ein Tag war zum Zusammentreffen festgesetzt. 
Wilhelm erschien auch dort — wahrscheinlich Ende Juni oder 
Anfang Juli, da er am 2. Juli datiert „im Lager hei Brüssel“ *); 
dies ist vielleicht auf das Lager hei Assche, welches nur 2 Stun¬ 
den westlich von Brüssel liegt, zu beziehen —, er wartete, wie 
es üblich war, 3 Tage auf den Gegner und brach dann das 
Lager ah, um ihn zu verfolgen und zur Schlacht zu zwingen. 
Wohin er aber von Assche seinen Marsch gerichtet hat, ver¬ 
schweigen die Quellen. Wie weit er vorgedrungen war, er¬ 
fahren wir erst durch eine von ihm selbst am 26. Juli bei le 
Quesnoy ausgestellte Urkunde. Also noch über Valenciennes 
hinaus gelangte er mit seinem Heere. 
Aber noch in der Nacht, ehe der König heranzog, hatten 
Karl und Margaretha mit allen Anhängern die Stadt verlassen1 2). 
Sie wollten wahrscheinlich einer Belagerung in Valenciennes, 
dessen Bürger, wie sich bei den Verhandlungen wegen der 
Übergabe gezeigt hatte, ihnen durchaus nicht günstig gesinnt 
waren, uc'l auf die man sich also nicht verlassen konnte3), 
ausweichen. Am 26. Juli 1254, einem Sonntage, wurde dann 
im Lager Wilhelms bei le Quesnoy ein Waffenstillstand ge¬ 
schlossen, welcher bis zum 15. October desselben Jahres dauern 
sollte4). Die Bedingungen lauteten: Beide Parteien behalten 
die Städte besetzt, welche sie vor Wilhelms Einrücken in 
Hennegau besetzt hatten; über den Besitz von Grammont, 
welches beide Parteien — Karl von Anjou und Johann von 
1) Böhmer, Reg. 1246—1313, pag. V hält „Brocele“ ebenfalls für 
Brüssel. 
2) Stoke. Die Gründe dieser plötzlichen Flucht gibt er nicht mehr 
an, da er in seine Annalen grade an dieser Stelle das Chronicon Hol- 
landiae, welches diese Vorgänge viel kürzer behandelt, wörtlich aufge¬ 
nommen hat, ohne auch nur eine Verbindung zwischen seiner Erzählung 
und der neuen Chronik herzustellen. 
3) Hierzu könnte man auch die Erzählung des Wilhelm von Nangis 
(ed. Geraud, Paris 1843) I, 212 herbeiziehen, welcher den ganzen Feldzug 
im übrigen sehr zu Gunsten Karls darstellt; aber auch er erzählt: Karl 
habe gegen den Willen der ihm feindlichen Bürger die Stadtmauern 
befestigt. 
4) Gedruckt bei Winkelmann, Acta nr. 553.
	        

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