Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

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Margaretha von Flandern eingegangen. Daher musste Wilhelm 
vor allem daran gelegen sein, diese Feinde, welche ihm bei 
einem Kampfe mit Margaretha in den Rücken kommen konnten, 
zu beseitigen. Den Waffenstillstand mit Margaretha benutzte 
er daher zu einem Feldzuge gegen Friesland. Nach dem ein¬ 
zigen Berichte, welchen wir über diesen Feldzug haben, errang 
der König am 11. Mai 1254 in einer Seeschlacht einen völligen 
Sieg über die Friesen; 6000 Feinde wurden erschlagen. Bis 
gegen Ende des Monats durchzog er verwüstend das Land, 
wie er in den dort ausgestellten Urkunden gradezu schreibt: 
„Gegeben im Lager während der Verheerung Westfrieslands“ 0. 
So hatte Wilhelm sich dieser Feinde durch einen raschen An- 
griff vorläufig entledigt und suchte sie durch die Torenburg, 
welche er in ihrem Lande erbauen liess, im Zaume zu halten. 
Kaum war dieser Feldzug glücklich beendet, als seine An¬ 
wesenheit im Süden seiner Grafschaft erforderlich wurde. Wir 
sahen, dass durch Vermittlung des Legaten wahrscheinlich ein 
Waffenstillstand abgeschlossen war; vielleicht hatten während 
desselben Verhandlungen stattgefunden. Diese hatten, wie vor¬ 
auszusehen, zu keinem Ergebnis geführt, Karl von Anjou aber 
hatte die Abwesenheit Wilhelms benutzt und den Krieg be¬ 
gonnen. König Wilhelm fand bei den deutschen Fürsten nur 
sehr geringe Unterstützung: ausser dem Grafen von Geldern, 
dessen Hilfe er sich am 1. Juni, kurz vor dem Feldzuge gegen 
Zahlung der Summe von 5000 Mark Silber sicherte1 2), und 
seinem Schwager Johann von Avennes scheint kaum irgend 
einer für Wilhelms Sache eingetreten zu sein. Dass wenigstens 
die 3 rheinischen Erzbischöfe, auf deren Hilfe Wilhelm sich 
in den ersten Jahren seiner Regierung immer hatte verlassen 
können, ihn jetzt nicht unterstützten, ist wie nocli näher dar¬ 
gestellt werden wird, als sicher anzunehmen. 
Nach Guise und Stoke hatte Karl von Anjou den König 
auffordern lassen, einen Ort zur Schlacht zu bestimmen, und 
dieser hatte dazu die weite Ebene ausersehen, welche sich 
zwischen den Städten Brüssel und Alost bei dem Orte Assche 
1) Reg. 213. 
2) Reg. 215. 
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