Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

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Avennes fallen sollte; die Gräfin musste ihm ausserdem die 
Kosten des Feldzuges gegen Holland ersetzen. Sie entlieh zu 
diesem Zwecke bei mehreren Wechslern in Arras grosse Summen 
zur Deckung der ersten Kosten des Feldzuges >). Die Übertra¬ 
gung Hennegaus an Karl von Anjou fand nach hierüber im 
Archiv zu Lille befindlichen Urkunden1 2) im October 1253 statt; 
auch der Tag der urkundlichen Übertragung lässt sich noch 
bestimmen. Es ist bei St. Génois3) eine Urkunde in Kegesten¬ 
form verzeichnet, worin Karl von Anjou bekennt, dass Marga¬ 
retha bei der Schenkung, welche sie ihm mit Hennegau gemacht 
habe, sich zurückbehalten hat trois ou quatre cens livrées de 
terre a placer où elle voudroit, vorausgesetzt, dass es in den 
Ebenen und ausserhalb der Städte sei, um darüber nach Be¬ 
lieben zu verfügen unter Vorbehalt der Karl von Anjou zu lei¬ 
stenden Huldigung. Diese Urkunde ist datiert vom Vorabend 
Allerheiligen, also vom 31. October. Es ist zulässig, auch die 
Schenkungsurkunde selbst, von der Le Glay kein genaueres 
Datum als den Monat October angibl, vom 31. October zu da¬ 
tieren, da doch solche Haupt- und Nebenverträge, wie wir es 
z. B. bei den Verträgen Wilhelms mit Margaretha immer sehen, 
gewöhnWch an demselben Tage beurkundet zu werden pflegen. 
4. Die Feldzüge Wilhelms im Sommer 1254. 
Durch diese Übertragung der Grafschaft Hennegau an den 
Grafen Karl von Anjou, einen französischen Prinzen, traten die 
ursprünglich so geringfügigen Streitigkeiten der Gräfin von 
Flandern mit Wilhelm von Holland in ein neues Stadium: von 
einem Kriege Deutschlands gegen Frankreich spricht ein den 
Ereignissen fernerstehender Chronist4), wie schon oben bemerkt. 
In Wirklichkeit unterstützten den Grafen von Anjou jedoch nur 
wenige französische Grosse, da eine an sie ergangene Auffor¬ 
derung zur Teilnahme an dem Feldzuge gegen Holland nur 
1) Urkunde der Archives de Flandre, erwähnt von Le Glay II, 124, 
Anm, 3. 
2) Le Glay I, 124. 
3) I, 578. 
4) Matth. Par. ed. Luard V, 433 ff.
	        
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