Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

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König von Frankreich1), setzte ihm aaseinander, welches Unrecht 
Wilhelm ihr zugefiigt habe durch den Frankfurter Spruch; er 
habe die mit ihr geschlossenen Verträge wegen Seeland nicht 
gehalten; der König möge ihr, seiner Nichte, gegen diesen König 
Wilhelm Hilfe gewähren. Aber Ludwig IX. war durchaus nicht 
geneigt, für sie gegen Wilhelm einzutreten. Er hatte ja im 
Jahre 1246 als Vermittler zwischen Margaretha und den Avennes 
den letzteren Hennegau selbst zugesprochen; so wollte er nicht 
dagegen handeln, suchte vielmehr auch jetzt wieder zu ver¬ 
mitteln. Es wurde eine zweite Gesandtschaft, jetzt von Ludwig 
an Wilhelm geschickt1 2 3). Aber die Forderungen des letzteren 
waren noch höher als vorher, so dass sich die Verhandlungen 
wiederum zerschlugen. Margaretha wusste dennoch Hilfe zu 
finden. 
Da König Ludwig selbst ihr seine Hilfe versagte, wandte 
sie sich an seinen Bruder Karl, den Grafen von Anjou8). Dieser 
war zwar geneigt, auf ihre Bitten einzugehen, wollte aber nicht 
gegen den Willen seines Bruders handeln. Margaretha beab¬ 
sichtigte nemlich, nur um von Karl Hilfe zu erhalten, ihm ganz 
Hennegau zu verleihen; das wäre aber gradezu gegen den Spruch 
Ludwigs von 1246 gewesen. Daher nahm Karl die Übertragung 
nur unter der Bedingung4) an, dass die Grafschaft nach Mar¬ 
garethens Tode an ihren rechtmässigen Herrscher, Johann von 
1) St. Génois, Monumens anciens I, S. 580, gibt in Begestenform 
ein Denkschreiben der Gräfin an den König von Frankreich, worin sie 
„das Unrecht Wilhelms“ erzählt und ihn um Hilfe gegen den König 
bittet. Dieses Schreiben ist undatiert, aber ohne Zweifel haben wir es 
in das Jahr 1253 zu setzen und zwar genauer in die Monate nach der 
Schlacht bei Westkappel, Jul. 4., bis zur Übertragung Hennegaus an 
Karl von Anjou, Oct. 31. Sattler kannte diese Denkschrift nicht und 
findet deshalb die Angabe des Guisc über die Verhandlungen der Gräfin 
mit dem König von Frankreich unglaublich. 
2) Die Zeit- und Ortsangabe des Guise über diese Gesandtschaft 
(XV, 162) können nicht richtig sein, Wilhelms Itinerar spricht dagegen; 
die Gesandtschaft selbst ist jedoch sehr wohl zu erklären. 
3) Guise XV, 162. 163. Chronique de Flandre bei de Smet, Corp. 
Chron. Fland. III, 671. 
4) Guise XV, 164.
	        
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