weite abverlangte. So fiel selbst den Politikern die Antwort nicht leicht. In der neu
gegründeten CDU wurde beispielsweise ernsthaft diskutiert, ob man ein „Nein“
vertreten könne, welches dem öffentlich bekundeten Willen des Bundeskanzlers
und Bundesvorsitzenden widerspreche und nach allgemeiner Einschätzung nicht
unbedingt als mehrheitsfahig anzusehen war. Mit zunehmender Dauer des Abstimmungskampfes
kamen aber auch in der CVP Zweifel auf, ob man sich mit dem „Ja“
nicht etwa auf ein doppeltes Spiel Adenauers einlassen würde. Erschien die - von
französischer Seite für den Fall einer Ablehnung des Statuts immer wieder angedrohte
- Rückkehr zum Status quo ante unter pragmatisch-politischen Gesichtspunkten
nicht attraktiver? Aber auch nachdem die Fronten - durch die Aufteilung
der Parteienlandschaft in die Gruppe der „Ja-Sager“ aus CVP und SPS sowie die
im „Heimatbund“ versammelten Gegner des Statuts aus CDU, DSP und DPS - geklärt
waren, taten sich die Parteistrategen schwer mit der zielgerechten Vermittlung
jenes unverständlichen Sachzusammenhangs gegenüber der Öffentlichkeit.
Besonders interessant ist daher, mit welchen Methoden die Parteien im Abstimmungskampf
für ihre Ansichten warben. Alle an der öffentlichen Diskussion
beteiligten Parteien und Gruppen - insgesamt griffen etwa zwanzig Organisationen
öffentlichkeitswirksam in die Meinungsfindung ein - entfalteten eine rege Propaganda.
Vor allem der „Heimatbund“ setzte eine Vielzahl von unterschiedlichen
Werbeträgern ein und ließ - offensichtlich mit reger finanzieller Unterstützung aus
der Bundesrepublik - großflächige Plakate, Flugblätter, Zeitungen und Aufkleber
drucken. Auffällig ist, dass auch bei den „Nein-Sagem“ die Analyse des europäischen
Statuts und seiner politischen und wirtschaftlichen Folgen einen recht breiten
Raum einnahm. Dabei wurden die Schwachstellen und Defizite der Regelung
ausführlich thematisiert, in den Zusammenhang mit negativen Erfahrungen der vergangenen
Jahre gestellt und teilweise sogar programmatisch formulierten Altemativvorschlägen
gegenübergestellt. Große Probleme bereitete offenbar die Frage,
welche politischen Auswirkungen die vom „Heimatbund“ empfohlene und am eindringlichsten
von der DPS propagierte Ablehnung des Statuts haben würde. In
seiner vielbeachteten Bochumer Parteitagsrede vom 21. September 1955 hatte
Adenauer noch einmal darauf verwiesen, dass die Annahme des Statuts eine Ablösung
von Johannes Hoffmann bei den kommenden Landtagswahlen ermöglichen
würde. Tatsächlich war gerade der Ministerpräsident als „Hauptverantwortlicher“
für alle vom „Heimatbund“ kritisierten Missstände in der saarländischen Landespolitik
ausgemacht worden. Hingegen war die DPS der Ansicht, nur eine Ablehnung
des Statuts würde zu neuen Verhandlungen und vor allem zum Rücktritt
Hoffmanns führen. Untermauert wurde diese Vorstellung mit einer einprägsamen
und werbewirksamen Formel: „Der Dicke muß weg!“
Unzufriedenheit und Enttäuschung über die Erfahrungen im teilautonomen
Saarstaat, der Wunsch nach einer Ablösung der bisherigen Regierung, das schlichte
Verlangen nach einer Veränderung „der Verhältnisse“ - jene allgemeinen und oft
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