Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Landtags  -  entschieden  wurde.  Auch  war  niemandem  entgangen,  dass  ein  entsprechendes
  Votum  die  Bejahung  des  vorgelegten  Textes  implizierte.  Einer  wirklichen
  Volksabstimmung  wrurde  die  Verfassung  jedoch  -  anders  als  in  Rheinland-Pfalz
  -  nicht  unterworfen.  Ein  Diktat  der  Besatzungsmacht  war  sie  allerdings
gleichfalls  nicht.
Konflikte  in  der  frühen  Saarpolitik
Obwohl  mit  der  Festigung  des  Parteiensystems,  der  saarländischen  Verfassung  und
der  Regelung  der  Beziehungen  zum  westlichen  Nachbarn  in  den  Konventionen
vom  1.  Januar  1948  die  Fundamente  des  neuen  Saarstaates  im  Wesentlichen  gelegt
waren,  kam  die  saarländische  Politik  nicht  zur  Ruhe.  Durch  die  besondere  Vorgeschichte
  des  Landes  mündeten  Debatten  über  bestimmte  Themen  immer  wieder  in
Auseinandersetzungen  um  Grundsatzfragen.  An  vorderster  Stelle  stand  dabei  die
Kirchenpolitik.44  Mit  dem  Streit  über  die  Gründung  eines  eigenen  Saar-Bistums
erbte  die  saarländische  Landesregierung  einen  Konfliktherd,  der  seine  Ursprünge  in
der  Politik  der  französischen  Besatzungsmacht  hatte.  Diese  hatte  -  teilweise  mit
Unterstützung  saarländischer  Politiker  und  Geistlicher  -  seit  Ende  1946  Pläne  zur
Errichtung  eines  saarländischen  Bistums  entwickelt,  welche  die  Region  dem  Einfluss
  der  deutschen  Bischöfe  entziehen  sollte.  Die  Frage  war  in  hohem  Maße  politisch
  belastet,  waren  darin  doch  eindeutige  Parallelen  zur  Völkerbundszeit  zu  erkennen.
  Ein  hoher  symbolischer  Wert  kam  ihr  vor  allem  deshalb  zu,  weil  das  dezidierte
  Eintreten  des  Trierer  Bischofs  für  eine  deutsche  Lösung  im  Jahr  1935  als
einer  der  entscheidenden  Gründe  für  den  Ausgang  dieser  Abstimmung  angesehen
werden  konnte.  Für  Johannes  Hoffmann  und  seine  CVP  war  der  daraus  resultierende
  Konflikt  mit  Trier  außerordentlich  problematisch.  Denn  gerade  der  Landesvorsitzende
  der  Christdemokraten  betonte  nachdrücklich  das  christlich-katholische
Profil  seiner  Partei.  Er  hatte  gegen  erhebliche  Widerstände  auch  in  den  eigenen
Reihen  die  Wiedereinführung  der  Bekenntnisschule  durchgesetzt  und  unterstützte
nachdrücklich  die  Kirchengemeinden  im  Saarland  -  so  zum  Beispiel  beim  Wiederaufbau
  zerstörter  Kirchen  und  Gemeindehäuser.  Mit  seiner  kirchenpolitischen
Autonomiepolitik  stieß  er  nun  jedoch  auf  heftigen  Widerstand  und  geriet  dadurch
in  eine  Konfliktsituation,  die  sehr  stark  an  jene  erinnerte,  in  welche  er  vor  1935
durch  sein  Plädoyer  für  den  Status  quo  als  Chefredakteur  der  „Saarbrücker  Landeszeitung“
  geraten  war.  Sowohl  der  Trierer  Bischof  als  auch  Teile  der  saarländischen
Geistlichkeit  nahmen  jedenfalls  in  aller  Deutlichkeit  Stellung  gegen  die  zeitweise
auch  von  Johannes  Floffmann  vertretenen  Pläne.  Auch  im  Vatikan  fanden  die  Neugliederungsabsichten
  keine  wirksame  Unterstützung,  worüber  auch  die  1948  beschlossene
  Entsendung  eines  Apostolischen  Visitators  nach  Saarbrücken  nicht  hinwegtäuschen
  konnte.

44  Vgl.  Quelle  Nr.  27.

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