Die Anfänge des Saarstaates
Bis 1947 etablierte sich somit eine Parteienlandschaft, die in vielen Bereichen an
das westdeutsche Parteiensystem angelehnt war und dennoch eine Reihe von saarländischen
Besonderheiten aufwies. Das - vor allem im bürgerlichen und liberalen
Lager - stark zersplitterte Parteienwesen der Zwischenkriegszeit wurde von einem
Vier-Parteien-System abgelöst. Die Sozialdemokraten hatten den Kampf mit den
Kommunisten um die Vorrangstellung eindeutig zu ihren Gunsten entschieden.
Alle Parteien mit Ausnahme der Kommunistischen Partei (KP) hatten sich unter
dem Einfluss der Saarbrücker Militärverwaltung klar und in aller Öffentlichkeit
zum französischen Vorhaben des Wirtschaftsanschlusses bekannt.40 Die Einigung
des bürgerlich-christlichen Lagers trieb Johannes Hoffmann voran, der dabei Unterstützung
aus den Reihen der ehemaligen Zentrumspartei, von Seiten der christlichen
Gewerkschaften und von lokalpolitischer Ebene erfuhr. Das Profil seiner
Partei war europäisch akzentuiert und - trotz prinzipieller Überkonfessionalität -
eindeutig katholisch dominiert, was sich zum Beispiel in der Wiedereinführung der
Bekenntnisschule äußerte. Die saarländischen Sozialdemokraten rekrutierten einen
Großteil ihres Führungspersonals unter den früheren Befürwortern des Status quo
sowie aus Gewerkschaftskreisen. Ihr Eintreten für den Wirtschaftsanschluss an
Frankreich führte sie schon früh in eine Auseinandersetzung mit der deutschen
SPD, die sehr bald auch entlang anderer Konfliktlinien - wie beispielsweise der
Frage nach einer Vergesellschaftung der Schwerindustrie - ausgetragen wurde. Es
gelang der SPS vor allem bei den Landtagswahlen von 1947, die Kommunisten
weitgehend zu marginalisieren. Diese hatten sich noch dazu mit ihrer Kritik am
Wirtschaftsanschluss und durch ihren Widerspruch in anderen Bereichen in ein
konfliktbeladenes Verhältnis zur Besatzungsmacht manövriert. Vor dem sich
abzeichnenden Kalten Krieg schieden die Kommunisten schließlich auch in
Frankreich und in allen westdeutschen Ländern, zunächst noch außer Rheinland-Pfalz,
aus den Regierungskoalitionen aus. Während sie sich in Frankreich bis in die
neunziger Jahre als maßgebliche politische Kraft behaupten konnten, hatten sie ihre
Basis in den deutschen Westzonen schon bald darauf verloren.
Schwierig zu interpretieren ist die frühe Nachkriegsgeschichte des politisch
organisierten Liberalismus im Saarland. Ihrem sozialen Profil nach konzentrierte
sich die DPS auf das klassische liberale beziehungsweise nationalliberale Milieu,
indem sie gezielt das Großbürgertum und Industrielle ansprach. Ihr Parteiprogramm
richtete sich aber ebenso an die Elandwerker und den Mittelstand. Aufgrund
der regionalen Verteilung ihrer Wählerschaft ist sie als städtische, vor allem auf
Saarbrücken konzentrierte Partei zu klassifizieren, während sie in konfessioneller
Hinsicht vor allem die protestantischen Bevölkerungskreise im Saarland ansprach.
Ein klares inhaltliches Profil konnte die Partei nicht gewinnen, zumal auch ihr
40 Vgl. die Quellen Nr. 25 u. 57.
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