der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) von einer Regelung der Saarfrage
abhängig machte. Dieses Junktim, das wohl überwiegend innenpolitischen
Erwägungen entsprang, definierte die völkerrechtliche Absicherung der saarländischen
Autonomie nun endgültig als vorrangiges Ziel der französischen Politik.
Nach den Bundestagswahlen 1953 leitete Bonn über den Europarat einen ersten
Anlauf zur Lösung des Saarkonfliktes ein. Der niederländische Parlamentarier
Marinus van der Goes van Naters legte schließlich einen - schon bald nach ihm
benannten - Plan vor, der zur Grundlage für bilaterale deutsch-französische Verhandlungen
wurde. Van Naters’ Vorschlag ging von einer dauerhaften und durch
rechtliche und politische Garantien abgesicherten Trennung der Saar von Deutschland
aus und stimmte dadurch grundsätzlich mit der französischen Position überein.
Doch im Gegensatz zur bisherigen Politik der Pariser Regierung wurde nun die
Europäisierung der Saar zum vorrangigen Ziel erklärt. Mit Widerständen auf französischer
Seite war deshalb zu rechnen. Verdeutlicht wurden die zu erwartenden
Probleme bereits mit der Brüskierung des stellvertretenden Ministerpräsidenten
Pierre-Henri Teitgen, der bei Verhandlungen mit einer hochkarätig besetzten bundesdeutschen
Delegation in Straßburg einen - im sogenannten Teitgen-Adenauer-Protokoll
festgehaltenen - Lösungsweg skizziert hatte.25 Spätestens als das Scheitern
der EVG in der französischen Nationalversammlung am 30. August 1954 die
Europäische Integration insgesamt zu gefährden schien, endete auch diese Etappe
der französischen Saarpolitik.
Immerhin boten die nun einsetzenden Bemühungen um alternative Ansätze in
der europäischen und transatlantischen Politik auch neue Aussichten auf eine baldige
Lösung der Saarfrage. Auf britischen Vorschlag hin wurde auf einer Neun-Mächte-Konferenz
in London zunächst beschlossen, die Bundesrepublik - ebenso
wie Italien - in den 1948 gegründeten und nun zur Westeuropäischen Union
(WEU) erweiterten Brüsseler Pakt einzubinden. Dies ermöglichte wiederum die -
von Frankreich bislang stets abgelehnte - Aufnahme der Bundesrepublik in die
NATO und folglich die Aufhebung des seit 1949 in der Bundesrepublik geltenden
Besatzungsstatuts. Bereits im Oktober 1954 einigte man sich auf einer weiteren
Konferenz in Paris über die einzelnen Bestimmungen dieser Regelung. Der hier
gefasste Beschluss, die jetzt nur noch von einigen alliierten Vorbehaltsrechten eingeschränkte
Souveränität der Bundesrepublik von einer endgültigen Lösung des
Saarkonfliktes abhängig zu machen, führte auch in dieser Streitfrage zur entscheidenden
Annäherung. So konnte am 23. Oktober 1954 in Paris - schon wenige Stunden
nach dem internationalen Abkommen über die Souveränitätsrechte der Bundesrepublik
und die Fortdauer der alliierten Verantwortung für Deutschland als Ganzes
- der deutsch-französische Saarvertrag geschlossen werden. Dieser Vertrag, der
einen vergleichsweise großen Teil der früheren französischen Verhandlungsziele
25 Vgl. die Quellen Nr. 68 u. 70f.
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