Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

für  der  Saar  seither  praktisch  nur  noch  in  Moskau  -  deutlich  formuliert  von  Stalin
anlässlich  der  dortigen  Außenministerkonferenz  im  Frühjahr  1947.
Nach  der  Gründung  des  Saarstaates  und  der  Umsetzung  der  Währungs-  und
Zollunion,  vor  allem  aber  nach  der  Gründung  der  Bundesrepublik  verlagerte  sich
die  französische  Politik  schließlich  auf  die  Wahrung  der  bestehenden  politischen
Verhältnisse,  während  gerade  die  wirtschaftliche  Dimension  der  saarländischfranzösischen
  Beziehungen  zunehmend  hinterfragt  wurde.  Diese  neue  Strategie
erzielte  jedoch  kaum  Erfolge.  So  stellte  die  -  im  Juli  1950  erfolgte  -  gleichzeitige
Aufnahme  des  Saarlandes  und  der  Bundesrepublik  als  assoziierte  Mitglieder  in  den
Europarat  allenfalls  einen  Teilerfolg,  wenn  nicht  sogar  eine  Niederlage  der  französischen
  Diplomatie  dar.23  Zwar  hatte  man  sich  gegen  die  Widerstände  von
britischer  und  bundesdeutscher  Seite  durchsetzen  können.  Dass  sich  derartige  Probleme
  aber  überhaupt  in  diesem  Umfang  stellten,  enttäuschte  all  jene,  welche  die
Situation  an  der  Saar  -  wie  sich  jetzt  zeigen  sollte  zu  Unrecht  -  für  stabil  gehalten
hatten.  Darüber  hinaus  weckte  die  Debatte  internationalen  Widerspruch  gegen  die
politischen  Zustände  im  Saarland  und  stärkte  dadurch  vor  allem  in  der  Bundesrepublik
  die  Kritiker  der  französischen  Politik.24
Mit  weiteren  Komplikationen  verbunden  war  die  Frage  nach  einer  Mitgliedschaft
  des  Saarlandes  in  der  Montanunion.  Offenbar  hatte  Robert  Schumans  bei
seinem  Aufruf  zur  Gründung  einer  Europäischen  Gemeinschaft  für  Kohle  und  Stahl
die  entsprechenden  Rückwirkungen  auf  dse  französische  Saarpolitik  nicht  vollständig
  durchdacht.  Außenpolitische  Argumente  sprachen  dafür,  eine  eigenständige
Mitgliedschaft  der  Saar  anzustreben.  Aus  ökonomischer  Sicht  hatte  die  Zusammenarbeit
  mit  der  Saar  durch  die  Harmonisierung  und  Verbesserung  der  Kohleversorgung
  stark  an  Bedeutung  verloren.  Damit  rückte  für  Frankreich  die  Wahrung  der
außenpolitischen  Kontrolle  über  die  Saar  wieder  in  den  Mittelpunkt.  Eine  Kompromisslösung,
  die  für  den  Beitritt  des  Saarlandes  zur  EGKS  eine  eigene,  allerdings
von  Frankreich  geleistete  Unterschrift  unter  den  Montanunion-Vertrag  vorsah,
konnte  nicht  durchgesetzt  werden.  Sowohl  Gilbert  Grandval  als  auch  die  saarländische
  Landesregierung,  die  beide  auf  eine  eigenständige  Mitgliedschaft  der  Saar
gesetzt  hatten,  machten  aus  ihrer  Enttäuschung  keinen  Hehl.  Die  Bundesrepublik
wiederum  hatte  gegenüber  der  Pariser  Regierung  keinen  Zweifel  daran  gelassen,
dass  ihre  Zustimmung  zur  faktischen  Einbeziehung  der  Saar  auf  keinen  Fall  als
Anerkennung  der  bestehenden  rechtlichen  Verhältnisse  zu  verstehen  war.  Zudem
verloren  innerhalb  der  Pariser  Regierung  die  Befürworter  der  bisherigen  Saarpolitik
wichtige  wirtschaftspolitische  Argumente.
Eine  neue  Etappe  der  französischen  Saarpolitik  wurde  im  Januar  1953  eingeleitet,
  als  Ministerpräsident  René  Mayer  die  französische  Zustimmung  zur  Gründung

23  Vgl.  Quelle  Nr.  40.
24  Vgl.  Quelle  Nr.  41.

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