Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Nr.  94
Konsum  nach  der  Eingliederung

Der  Artikel  zur  Preisgestaltung  bei  Kühlschränken  steht  einerseits  im  Kontext  der
durch  die  Eingliederung  im  Saarland  ausgelösten  Kaufwelle.  Diese  wurde  durch
das  erstmals  in  diesem  Umfang  mögliche  Auftreten  bundesdeutscher  Handelsketten
und  Produkte,  aber  auch  durch  die  vom  Wertverlust  des  französischen  Franc  ausgelöste
  Flucht  in  Sachwerte  ausgelöst.  In  den  Jahren  ab  1959  verbesserte  sich  dadurch
  die  Ausstattung  der  saarländischen  Haushalte  insbesondere  mit  langlebigen
Gebrauchsgütern  sehr  stark  und  glich  sich  fast  vollständig  an  die  bundesdeutschen
Werte  an.  Andererseits  ist  der  Artikel  aber  auch  im  Kontext  der  aufgrund  der  besonderen
  politischen  und  wirtschaftlichen  Verhältnisse  im  Saarland  länger  als
andernorts  andauernden  starken  Stellung  der  Konsumgenossenschaften  zu  verstehen.
  Die  Konsumgenossenschaften  setzten  sich  gegen  die  Konkurrenz  des  Einzelhandels
  ab,  welcher  anfangs  gegenüber  der  unerfahrenen  saarländischen  Kundschaft
  teilweise  stark  überhöhte  Preise  durchsetzte.
Zeitungsartikel  aus  dem  „Saar-Echo“.
8.7.1957
Das  tun  wir  gern.  Billige  Kühlschränke
In  der  Bundesrepublik  gibt  es  jetzt  billige  Kühlschränke.  Die  Preise  sind  in  den
letzten  beiden  Wochen  derart  gerutscht,  daß  den  Hausfrauen,  denen  während  der
Hitzewelle  die  Butter  wegschmolz,  die  Augen  übergingen.  Die  Konsumgenossenschaften
  haben  eine  Lawine  ins  Rollen  gebracht,  deren  Ende  sich  noch  gar  nicht
absehen  läßt.  Sie  haben  sich  zum  Ziel  gesetzt,  die  Absprachen  und  Preisdiktate  der
Erzeuger  und  auch  teilweise  des  Handels  über  den  Haufen  zu  werfen,  die  leider  nur
zu  sehr  dazu  angetan  sind,  die  Preise  unentwegt  hochzuhalten,  auch  dann,  wenn
keine  Notwendigkeit  dazu  besteht.  Wie  im  Saarland,  so  sind  auch  in  der  Bundesrepublik
  die  Preisspannen  außerordentlich  hoch,  so  daß  die  Ware  vom  Erzeuger
über  den  Großhändler  und  den  Einzelhändler  bis  zum  Verbraucher  auch  in  jeder
Stufe  sprunghaft  und  oft  unnötig  verteuert  wird.  Am  Beispiel  der  Kühlschränke
haben  die  Konsumgenossenschaften  des  Bundesgebietes  versucht  zu  zeigen,  daß  es
auch  anders  geht,  daß  es  gar  nicht  nötig  ist,  dem  Verbraucher  derart  hohe  Preise
abzuverlangen,  wie  das  bisher  geschah.  Ein  1  OO-Liter-Kühlschrank,  der  im  Juni  im
Bundesgebiet  noch  582  -  DM  kostete,  wurde  von  den  Konsumgenossenschaften
für  fast  200  -  DM  weniger,  und  zwar  für  398  -  DM  angeboten.  Die  Einzelhändler
beeilten  sich  sogleich,  mit  erheblichen  Preisherabsetzungen  nachzuziehen.  Die
hohen  Gewinnspannen  sind  darauf  zurückzuführen,  daß  die  Erzeugerwerke,  nicht

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