Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Nr.  81
Zensur  des  Films  zur  Fußball-Weltmeisterschaft

Der  Aktenvorgang  über  die  Probleme  bei  der  Zensur  eines  zur  Veröffentlichung  in
Kinos  vorgesehenen  Films  über  die  Fußball-Weltmeisterschaft  zeigt,  wie  technische
  Schwierigkeiten,  möglicherweise  aber  auch  Obstruktion  innerhalb  der  Verwaltung,
  einen  Versuch  der  gezielten  Manipulation  der  Kinozuschauer  in  sein
Gegenteil  Umschlägen  ließen.  Gleichzeitig  verdeutlicht  diese  Quelle  die  Bedeutung
nationaler  Bezüge  als  Orientierungsrahmen  alltäglicher  Handlungspraxis  im
Saarland.
Nr.  81a:  Aktennotiz  des  Vorsitzenden  der  Filmprüfungsstelle  Hans  Estras
Mutzenbecher  für  Ministerialdirigent  Heinz  Braun.  "
13.7.1954
Nachlass  Hector,  Carton  75,  Sous-dossier  2.
Betrifft:  Vorkommnisse  bei  der  Zensur  des  Films  „Fußballweltmeisterschaft  1954“
Am  Samstag  mittag  stand  der  Film  über  die  Fußballweltmeisterschaft  unmittelbar
vor  seiner  Erstaufführung,  die  um  14  Uhr  beginnen  sollte,  bis  14  1/4  in  der  Zensur
zur  Entscheidung.  Der  auf  die  Zensur  damit  ausgeübte  Zeitdruck  war  offenbar
planmäßig  erwünscht,  um  zu  einer  überstürzten  Entscheidung  unter  Außerachtlassung
  des  Hauptproblems  zu  kommen.  Wir  haben  uns  dadurch  aber  nicht  beeinflussen
  lassen  und  der  für  die  Vorstellungen  am  Samstag  und  Sonntag  angeordnete
Schnitt  mußte  während  des  laufenden  Films  in  letzter  Sekunde  vorgenommen
werden.
Vor  dem  Eintritt  in  die  Beratung  übermittelte  uns  Herr  Kriminalrat  Leibrock  im
Auftrag  des  Herrn  Innenministers  dessen  Wunsch,  daß  das  Deutschlandlied  auf  alle
Fälle  geschnitten  werden  müsse.  Mit  einer  3:1  Abstimmung  [sic]  hat  die
Kommission  dieser  Aufforderung  entsprochen,  wobei  neben  dem  Wunsch  des
Ministers  folgende  Gründe  maßgeblich  waren:
Es  war  ihr  nach  der  gezeigten  Schlußscene  [sic]  des  Films  klar,  daß  es  seitens  der
nicht  zugelassenen  Parteien  nur  eines  Aufgebots  eines  Dutzend  im  Saal  verteilter
Jugendlicher  bedurft  hätte,  um  das  Publikum  zu  veranlassen  aufzustehen  und  mitzusingen.
  Andererseits  war  uns  ebenso  klar,  daß  ein  Schnitt  der  Schlußscene  [sic]
nicht  nur  Propaganda-Material  für  die  nicht  zugelassenen  Parteien  abgeben,  sondern
  auch  ein  unerfreuliches  Echo  in  der  bundesdeutschen  Presse  haben  würde.
Wir  hatten  also  zwischen  zwei  Übeln  das  kleinere  zu  wählen.

Iri  Der  Bericht  ging  außerdem  an  Innenminister  Edgar  Hector  und  an  die  Ministerialkanzlei.

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