Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Wir  hoffen,  daß  es  nicht  mehr  allzu  lange  dauert,  bis  auch  die  Hausfrauenarbeit
durch  die  Aufnahme  in  die  Sozialversicherungspflicht  als  tatsächliche  Berufsarbeit
anerkannt  wird.
Welche  Möglichkeiten  bieten  sich  dazu  für  die  saarländische  Frau?  Gehen  wir  zunächst
  auf  die  Ausbildungsmöglichkeiten  ein:  sie  dürften  ähnlich  sein  wie  bei
Ihnen.  Wir  haben  die  Volks-  und  höheren  Schulen  verschiedener  Art,  wir  haben  die
hauswirtschaftlichen,  gewerblichen  Berufsschulen,  die  Handelsschulen,  die  Wirtschaftsoberschule.
  Dazu  kommen  die  Schöpfungen  der  Regierung  des  Saarlandes:
das  katholische  und  das  evangelische  Lehrerseminar,  die  Musikhochschule,  die
Schule  für  Kunst  und  Handwerk  und  die  Universität  des  Saarlandes.  Wir  haben
zwei  Kinderpflegerinnen-Ausbildungsschulen  in  Neunkirchen  und  Saarlouis,  eine
Hebammenlehranstalt  und  eine  Schule  für  die  Ausbildung  von  medizinisch-technischen
  Röntgen-Assistentinnen,  10  Kranken-  und  3  Säuglingspflegeschulen  und
eine  Schule  für  die  Ausbildung  von  Pflegerinnen  für  Geisteskranke.  Wir  sind  im
Begriff,  ein  Kindergärtnerinnen-Seminar  einzurichten.  Sie  sehen,  daß  sich  unseren
Mädchen  eine  ganze  Reihe  von  Möglichkeiten  bietet.
Ein  ausgesprochen  schwerindustrielles  Gebiet  wie  das  Saarland  bietet  der  Frau  zunächst
  einmal  wenig  Arbeitsmöglichkeiten:  Frauenarbeit  ist  bekanntlich  im  Bergbau
  unter  Tage  und  in  Hütten-  und  Walzwerken  verboten.  Das  spiegelt  sich  in  folgenden
  Zahlen  (die  Angaben  sind  alle  vom  statistischen  Amt  des  Saarlandes):  im
April  1953  hatten  wir  66.778  Bergleute,  Frauen  waren  im  Bergbau  beschäftigt:
953.  Es  dürfte  sich  um  Frauen  bei  der  Kohlenwäsche  und  im  Reinmachebetrieb
handeln.  In  der  Eisen  schaffenden  [sic]  Industrie  waren  an  Männer  tätig:  38.310
und  an  Frauen  124.  Insgesamt  arbeiteten  im  Saarland  im  April  mit  Sitz  im  Saarland:
  303.416  Menschen.  Davon  waren  241.895  Männer  und  61.521  Frauen.  Nachdem
  die  wichtigsten  Industriezweige  unseres  Landes  nur  in  ganz  beschränkten
Maße  für  die  Frauenberufsarbeit  in  Frage  kommen,  fragt  es  sich,  wo  sind  die
Frauen  in  großer  Zahl  tätig.  Die  meisten  Frauen  finden  wir  in  der  Gruppe  Handel-,
Bank-  und  Versicherungswesen,  d.h.  15.389  Frauen.  Wir  wissen,  daß  die  Frau  sich
für  die  Sekretariatsarbeit  ganz  besonders  eignet,  ihre  Stimme  für  den  Telephonverkehr
  besser  verständlich  ist  usw.  Diese  Berufsgruppe  ist  die  der  Angestellten.  Es
ist  auch  interessant  zu  beobachten,  wie  in  diesem  Zweig  die  Frauenberufsarbeit
zugenommen  hat.  Dazu  folgende  Statistik:  Im  Oktober  1951  waren  Angestellte:
40.211  Männer  und  22.517  Frauen.  Im  Oktober  1952:  39.960  Männer  und  24.192
Frauen.  Während  sich  die  Zahl  der  männlichen  Angestellten  um  0,6  %  verringerte,
stieg  die  der  Frauen  um  7,4  %  an.
Die  Gruppe  öffentlicher  Dienst  und  private  Dienstleistungen,  (unter  sie  fallen:  Verwaltung,
  Bildung  und  Erziehung,  Volks-  und  Gesundheitspflege,  Theater,  Film  und
Musik)  hat  10.333  Frauen  und  12.557  Männer.  Hier  liegt  das  Schwergewicht  der
Frauen  bei  der  Volks-  und  Gesundheitspflege  mit  4.955  Frauen  und  2.089  Män-503


            
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