Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Krieg  zu  Ende  war,  d.h.  Wohnungen  zu  erstellen.  Das  Land  an  der  Saar  hat  in  ganz
besonderem  Maße  durch  den  Krieg  gelitten.  Saarbrücken,  die  größte  Stadt,  war
z.B.  zu  3/4  zerstört.  Was  das  heißt,  brauche  ich  nicht  weiter  auszuführen.  Die
Familien  waren  auseinandergerissen,  die  Männer  im  Heere,  die  großen  Kinder  im
Einsatz,  die  Frauen  mit  den  Kleineren  evakuiert.  Die  entkräfteten  Menschen  wieder
zusammenzubringen,  ihnen  Wohnungen,  Arbeit  und  Brot  zu  beschaffen,  war  die
wichtigste  Aufgabe  der  Verwaltung,  nachdem  die  Kriegshandlungen  eingestellt
worden  waren.  Ungeheuere  Summen  sind  in  den  letzten  Jahren  dafür  von  staatlicher
  und  städtischer  Seite  aufgebracht  worden.  Und  doch  ist  es  immer  noch  nicht
genug.  Häuser  kosten  nun  einmal  viel  Geld,  sie  werden  nicht  so  schnell  wieder
aufgebaut,  wie  sie  zerstört  wurden.  Noch  warten  viele  viele  Familien  auf  eine
zweckmäßige  und  gesunde  Unterkunft.  Viele  haben  zur  Selbsthilfe  die  Zuflucht
genommen.  Erstaunliches  wurde  durch  die  Gemeinschaftsarbeit  der  Ketteler-Siedlungsgesellschaft
  geleistet.  Nach  den  Wohnungen  sind  es  die  Schulen,  die  das
besondere  Interesse  der  Frauen  beanspruchen.  Daß  in  einem  solch  zerstörten  Lande
wie  dem  Saarlande  großer  Mangel  an  Schulraum  war,  versteht  sich  von  selbst.  Die
Folge:  zunächst  mußten  die  wenigen  noch  erhaltenen  oder  notdürftig  zurechtgemachten
  Schulen  von  mehreren  Systemen  benutzt  werden.  Daraus  ergab  sich  der
Unterricht  am  Nachmittage  mit  allen  seinen  Nachteilen.
Mit  besonderem  Interesse  verfolgen  die  Mütter  mit  Töchtern  alle  Bemühungen,  die
dahin  zielen,  der  weiblichen  Jugend  eine  Ausbildung  für  den  eigentlichen  Beruf  der
Frau,  nämlich  den  der  Frau  und  Mutter,  zu  bieten.
Mit  großer  Freude  haben  die  saarländischen  Frauen  zur  Kenntnis  genommen,  daß
die  Regierung  die  Bedeutung  dieser  Ausbildung  der  weiblichen  Jugend  voll  und
ganz  erkannt  hat  und  ihr  Möglichstes  tut,  Stätten  zu  schaffen,  wo  hauswirtschaftlicher
  Unterricht  erteilt  werden  kann.  Weitere  Fragen,  die  unsere  Frauen  bewegen,
sind  die  Kindergärten  und  Horte,  die  Betreuung  der  Alten  und  Siechen,  die  Sorge
für  die  Flüchtlinge  und  die  Gefangenen,  der  Schutz  der  Jugend  vor  Schmutz  und
Schund,  die  körperliche  Ertüchtigung  durch  Spiel  und  Sport.
Damit  alle  diese  Dinge  vorwärtsgetrieben  werden,  haben  die  saarländischen  Frauen
ihre  Vertreterinnen  in  den  Gemeinden  und  im  Parlament,  dem  Landtag,  Frauen  mit
einem  reichen  Schatz  an  Erfahrung  und  Wissen,  denen  die  Frauenbelange  besonders
  am  Herzen  liegen.  Um  tätig  sein  zu  können  für  viele,  für  das  Wohl  einer  großen
  Gemeinschaft  bedarf  es  praktischer  Erfahrung,  aber  auch  der  Kenntnis  um  des
Mitmenschen  Denken  und  Fühlen.  Wer  ist  dazu  besser  imstande  als  die  Frau  und
Mutter,  die  im  engen  Zusammenleben  mit  den  Ihren  Einblicke  tun  durfte  in  das
Seelenleben  oft  so  verschieden  gearteter  Menschen,  der  auch  das  eignet,  was  der
spanische  Philosoph  Ortega  y  Gasset  die  vitale  Vernunft  der  Frau  nennt:  die  Fähigkeit,
  eine  Situation  schnell  und  richtig  zu  erfassen  und  dann  zu  handeln.  Wie  die
Familie  sich  auf  die  beiden  Pole  Mann  und  Frau  aufbaut,  so  kann  auch  die  große
Staatsfamilie  die  Mitwirkung  der  Frau  nicht  entbehren.

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