Nr. 78
Zur Stellung und Rolle der Frau in der Gesellschaft
Die vielfälligen gesellschaftlichen Anpassungs- und Modernisierungsprozesse der
Nachkriegsjahre können in ihrer Reichweite kaum überschätzt werden. Über sektorale
Effekte hinaus betrafen sie besonders die schrittweise eintretende, fundamentale
Veränderung des Geschlechterverhältnisses, der Bedeutung der Familie und
der Erwerbstätigkeit von Frauen. Der Vortrag von Hedwig Behrens, 1951-1955
Leiterin des „Frauenamtes bei der Regierung des Saarlandes“ und damit erste
Saarbrücker Frauenbeauftragte, vor dem Deutschen Frauenring in Speyer am
25. Juni 1953 beleuchtet den gesellschaftlichen Modernisierungsdruck Anfang der
fünfziger Jahre. Nach Überwindung der Ausnahmesituationen in Kriegswirtschaft
und Nachkriegszeit war eine Rückkehr zu f rüheren Verhältnissen weder möglich
noch ökonomisch oder politisch wünschenswert oder mehrheitsfähig, wenngleich
Behrens selbst ein eher traditionelles Verständnis von der Rolle der Frau und der
Familie hatte. Für die saarländische Politik stellte dieses Arbeitsfeld eine Chance
zur Profilierung mit dem Anspruch einer besonderen sozialpolitischen Leistungsfähigkeit
dar, erforderte andererseits aber auch einen besonders schwierigen Kompromiss
zwischen konkreter Politik und bestimmten programmatisch-ideologischen
Elementen von Gesellschaftskonzepten. Außerdem beinhaltete die Frage der Frauenerwerbstätigkeit
im schwerindustriellen Arbeitsumfeld spezifische Probleme. Der
Vortrag gibt zugleich einen Überblick über die Situation der Frauen im Saarland
acht Jahre nach Kriegsende, ordnet sie in die allgemeine soziale und bildungspolitische
Situation im Land ein und vermittelt einen Einblick in die Mentalitäten.
Auszüge aus einem Manuskript der Frauenbeauftragten Hedwig Behrens
vor der Ortsgruppe Speyer des Deutschen Frauenrings. 0
25.6.1953
Landesarchiv Saarbrücken, Bestand Auswärtiges Amt, Nr. 910.
Die besonderen Frauenfragen des Saarlandes
[...]
Die Grundlage des Staates ist und bleibt die Familie. Im Interesse jeder staatlichen
Gemeinschaft ist deshalb die Pflege der Ehe, die Gesunderhaltung der Familie, die
Ertüchtigung der Frau als Hausfrau und Mutter. Unsere junge staatliche Gemeinschaft
an der Saar hat es deshalb auch als ihre vornehmste Aufgabe angesehen, als
erstes die Voraussetzungen für ein gesundes Familienleben zu schaffen, als der
10 Zu Hedwig Behrens s. GEHLEN, Hedwig Behrens. Das Manuskript trägt keinen Verfassernamen;
Gehlen nennt auf S. 106 Behrens als Autorin.
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