Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

gung  in  vollem  Umfange  bestehen,  Frankreich  hat  bisher  die  These  vertreten,  dass
die  Sicherung  des  Rohstoffbezuges  von  der  Saar  in  französischer  Währung  nur
dann  möglich  wäre,  wenn  die  Saar  mindestens  politisch  nicht  zu  Deutschland  gehörte.
  Diese  französischen  These  müsste  von  uns  durch  befriedigende  Gegenvorschläge
  ausgeräumt  werden.  Hierfür  sind  mehrere  Wege  denkbar,  die  in
Sachverständigen-Verhandlungen  diskutiert  werden  können:  Entweder  könnte  die
Bundesrepublik  Deutschland  vertraglich  Frankreich  bestimmte  Francs-Kontingente
im  Rahmen  der  EZU  oder  des  nachfolgenden  europäischen  Währungsfonds  zur
Verfügung  stellen,  oder  es  wird  über  die  Einräumung  eines  langfristigen  deutschen
Kredits  über  den  Währungsfond  an  Frankreich  die  Voraussetzung  für  die  Wiederherstellung
  der  Konvertibilität  des  französischen  Francs  und  damit  ebenfalls  der
ungehinderte  Zugang  zu  den  Rohstoffen  der  Saar  geschaffen  oder  im  Kombination
mit  diesen  beiden  Möglichkeiten  für  eine  längere  Übergangsfrist  die  Beibehaltung
der  Saarländisch-französischen  Währungsunion  vereinbart.
8)  Zur  Sicherung  dieser  Vereinbarungen  wäre  zu  überlegen  ein  deutsch-französisches
  Wirtschafts-Kommissariat  mit  gegebenenfalls  beschränkten  politischen  Vollmachten.
  Es  steht  nichts  im  Wege,  dass  sich  der  deutschen  und  französischen
Kommissar  noch  auf  einen  dritten  neutralen  dabei  einigen.
9)  Die  Interessen  der  Saar  geraten  ihrerseits  immer  deutlicher  mit  den  rein  französischen
  Wirtschaftsinteressen  an  der  Saar  in  Konflikt.  Dies  ist  bei  allen  Verhandlungen
  zu  beobachten.  Für  Frankreich  bedeutet  die  Saar  im  Wesentlichen  eine
Rohstoff-  und  Absatzreserve,  die  jeweils  in  dafür  geeigneten  kritischen  Zeiten  in
vollem  Umfange  mobilisiert  wird.  Der  Saar  aber  ist  an  einer  stetigen  Wirtschaftsentwicklung
  gelegen.  Sie  bedarf  insbesondere  nach  vorliegenden  Unterlagen  der
Zuführung  von  Investitionskapital  für  Kohle  und  Stahl  in  Höhe  von  über  2  Milliarden
  D-Mark  bzw.  über  200  Milliarden  französischer  Francs.  Frankreich  dürfte
kaum  gewillt  oder  in  der  Lage  sein,  diesen  saarländischen  Kapitalwünschen  zu  entsprechen.
  Deutschland  könnte  in  dieser  Hinsicht  Angebote  machen  unter  der
Voraussetzung,  dass  für  eine  stetige  Wirtschaftsentwicklung  an  der  Saar  das  vorgeschlagene
  deutsch-französische  Wirtschafts-Kommissariat  die  Ventile  jeweils  nach
Deutschland  oder  Frankreich  öffnet.
10)  Frankreichs  Wünschen  nach  einer  zusätzlichen  Sicherung  seiner  Position
könnte  unter  Berücksichtigung  des  vorausgegangen  Punktes  9)  dadurch  entsprochen
  werden,  dass  bei  den  früher  dem  deutschen  Reiche  gehörenden  Unternehmen
eine  Drittelung  der  Besitzrechte  zwischen  Frankreich,  der  Saar  und  Deutschland
vorgenommen  wird.

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