Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

vom  31.  Dezember  1937  ist,  kann  auch  über  sein  Schicksal  demnach  erst  durch
einen  frei  vereinbarten  Friedensvertrag  entschieden  werden.
3)  Wegen  der  Verpflichtung  der  Bundesrepublik  Deutschland,  der  Sprecher  des
gesamten  Deutschland  zu  sein,  kann  eine  politische  endgültige  Saar-Regelung
infolgedessen  nur  im  Rahmen  eines  solchen  Friedensvertrages  geschehen.
4)  Die  Bundesrepublik  Deutschland  und  Frankreich  sind  demnach  nicht  in  der  Lage,
  den  am  31.12.1937  gegebenen  völkerrechtlichen  Status  der  Saar  zu  verändern;
die  Bundesrepublik  ist  jedoch  bereit,  im  Interesse  der  deutsch-französischen  Verständigung
  wirtschaftliche  Abmachungen  zu  treffen,  die  geeignet  sind,  den  von  ihr
anerkannten  französischen  Anliegen  nach  dem  Masse  ihrer  Verhandlungsfreiheit
zu  entsprechen.  Diese  sollen  in  besonderem  Masse  den  Bedürfnissen  der  Saar-Bevölkerung,
  den  französischen  Anliegen  an  der  Saar  und  den  aus  den  allgemeinen
Verhältnissen  entspringenden  französischen  wirtschaftlichen  Bedürfnissen  dienen.
5)  Die  deutsche  Bereitschaft  entspringt  dem  Wunsche,  denjenigen  Überlegungen
zu  folgen,  die  zu  dem  gegenwärtigen  Zustande  an  der  Saar  mit  Einwilligung  der
Vereinigten  Staaten  und  Grossbritanniens  führten.  Die  Vereinigten  Staaten  und
Grossbritannien  haben  dem  französischen  Vorgehen  an  der  Saar  im  Jahre  1947
zugestimmt  und  sie  haben  weiter  den  französischen  Ansprüchen  auf  die  Saar  Unterstützung
  versprochen,  weil  bei  dem  damaligen  Zustande  Deutschlands  eine  andersartige
  Befriedigung  von  französischen  Reparationswünschen  nicht  möglich
erschien.  Die  damals  getroffenen  Saar-Regelungen  sollten  eine  Abgeltung  für  die
französischen  Reparationswünsche  sein.  Wenn  heute  die  Bundesrepublik'in  der
Lage  ist,  Zusagen  zu  machen,  die  in  ihrem  Werte  dem  damals  von  Frankreich
erreichten  entsprechen  oder  darüber  hinausgehen,  so  ist  eine  Möglichkeit  für  die
Revision  der  damals  geschaffenen  Zustände  und  der  gegebenen  Versprechungen
erreichbar.
6)  Es  soll  also  die  verhängnisvolle  Starre  beseitigt  werden,  die  heute  und  seit  langer
Zeit  besteht  und  deren  gefährliche  Folge  es  gewesen  ist,  dass  die  Vereinigten
Staaten  und  Grossbritannien  eine  politische  Frage  aus  der  sogenannten  „Saar-Frage“
  machten,  die  im  Ausgangspunkte  eine  wirtschaftliche  gewesen  ist.  Ziel  der
deutschen  Vorschläge  soll  es  sein,  dem  französischen  Ministerpräsidenten  solche
Vorschläge  anhand  zu  geben,  dass  ihm  sowohl  die  Aussage  möglich  ist,  es  seien
die  wirtschaftlich-politischen  Wünsche  bezüglich  der  Saar  erfüllt  als  auch  die  aus
der  gegenwärtigen  Lage  entspringenden  französischen  Bestrebungen  nach  einer
Erneuerung  des  französischen  Wirtschaftslebens  wirksam  gefördert  worden.
7)  In  Bezug  auf  die  Saar  hat  sich  das  französische  Bestreben  stets  darauf  gerichtet,
im  Bedarfsfälle  Zugang  zu  den  Rohstoffquellen  der  Saar  in  französischer  Währung
zu  haben.  Hätte  sich  das  französische  Interesse  nur  auf  den  Zugang  zu  Kohle  und
Stahl  gerichtet,  so  wäre  dieses  Interesse  durch  den  Gemeinsamen  Markt  der
Montanunion  bereits  befriedigt  worden.  Aber  auch  in  diesem  gemeinsamen  Markt
der  Montanunion  bleibt  das  Währungsproblem  für  die  Möglichkeiten  der  Verfü¬472


            
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