Nr. 71
Positionen bundesdeutscher Parteien während
der Pariser Konferenz 1954 - die FDP
Adenauer zog zu den Pariser Vier-Mächte-Verhandlungen (18. bis 23. Oktober
1954)^ für die Saar-Frage Repräsentanten der im Bundestag vertretenen Parteien
hinzu, sowohl der Regierungskoalition wie der Opposition. Für die FDP-Bundestagsfraktion
erhielt der Kanzler während der Verhandlungen ein als „Preusker-Plan"
bekanntgewordenes Papier. Während der in den Dokumenten zur Deutschlandpolitik
(DzD) publizierte Text des Anschreibens von den FDP-Bundesministern
Viktor-Emanuel Preusker und Vizekanzler Franz Blücher unterzeichnet ist, findet
sich in den Archiven des französischen Außenministeriums nur die hier abgedruckte
Entwurfsfassung mit dem getippten Vermerk „(Unterschrift)“; auf welchem
Weg der Text an die französische Seite gelangte, geht aus der Akte nicht
hervor. Der Text ist zugleich ein Zeugnis für den Stand der Saar- Diskussion unter
den bundesdeutschen politischen Kräften. Die Autoren reflektieren die deutsche
Verhandiungsstrategie und legen konkrete Lösungsvorschläge für die zu diesem
Zeitpunkt noch offenen Problembereiche vor. Kernpunkte sind ein weitgehendes
Entgegenkommen in den wirtschaftlichen Fragen und eine Ausweitung der zu
berücksichtigenden politischen Aspekte, vor allem auf die Probleme im ehemaligen
und gegenwärtigen französischen Kolonialreich.20
19 Das Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich über das
Saarstatut vom 23.10.1954 ist abgedruckt in: EA 1954, S. 7020-7022; BDFD, Bd. 1, Nr. 103,
S. 361-364.
2,1 Zum Gesamtzusammenhang und zur Bedeutung der Pariser Verträge s. Miard-Delacroix/
Hudemann, Wandel und Integration, darin u.a. SOUTOU, Accords de Paris. Das Deutsch-Französische
Saar-Abkommen vom 23.10.1954 ist mit dem begleitenden Schriftwechsel u.a.
abgedruckt bei R. SCHMIDT, Saarpolitik, Bd. 3, S. 685-690. Zur Pariser Konferenz s. umfassend
die Aktenedition von Hanns-Jürgen KÜSTERS, DzD, Reihe 2, Bd. 4.
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