Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Nr.  66
Britische  Haltung  zur  deutschen  und  französischen  Saarpolitik

Die  Vorlage  des  Foreign  Office  für  den  britischen  Außenminister  vor  Verhandlungen
  mit  seinen  amerikanischen  und  französischen  Amtskollegen  resümiert  nach
dem  Abbruch  der  deutsch-französischen  Konsultationen  in  der  Saarfrage  und  vor
den  saarländischen  Wahlen  am  30,  November  1952  die  Gemeinsamkeiten  und
Unterschiede  aufgrund  der  in  den  Verhandlungen  von  Paris  und  Bonn  vorgelegten
Entwürfe  für  eine  gemeinsame  deutsch-französische  Erklärung  (Anlage  A).  Darin
besteht  Einigkeit  über  eine  Volksabstimmung  an  der  Saar.  Doch  verstärkt  die  französische
  Position  die  Zwänge  des  künftigen  Saar-Statuts  für  die  Regierung  und
unterstreicht  die  Priorität  der  Wirtschaftsunion  -  im  Klartext:  der  französischen
Prärogativen  -  anstelle,  so  die  bundesdeutsche  Position,  gleiche  Wirtschaftsrechte
für  beide  und  Entscheidungsgewalt  des  neuen  Landtages  über  die  gemeinsamen
Positionen  in  der  Saarfrage  zuzugestehen.  Anlage  C  präsentiert  Vorschläge  für
inzwischen  sinnvoll  erscheinende  Änderungen  an  der  gemeinsamen  amerikanischbritischen
  Position.  Ziel  ist,  nach  den  Wahlen  gegebenenfalls  öffentlich  als  Vermittler
  auftreten  zu  können,  nachdem  Paris  und  Bonn  eine  Garantie  des  angestrebten
  Abkommens  durch  die  beiden  anderen  Westmächte  wünschten.  Kernpunkte
  sind  die  Europäisierung  der  Saar  mit  Sitz  der  Montanunion,  Neuwahlen,
völlige  politische  Freiheit  und  Aufrechterhaltung  französischer  Wirtschaftsrechte
nur  noch  in  wenigen  Bereichen  bei  im  übrigen  ökonomischer  Eigenbestimmung  der
Saar.

Vermerk  des  Leiters  der  Deutschlandabteilung  im  britischen
Außenministerium  Frank  Roberts  für  Verhandlungen  des  britischen
Außenministers  Anthony  Eden  mit  dem  amerikanischen  Außenminister
Dean  Acheson  und  dem  französischen  Außenminister  Robert  Schuman.
4.11.1952
National  Archives  -  Foreign  Office,  FO  371/97842/C  10134/326.
The  Saar
Present  Position
The  Saar  Government  have  announced  that  elections  for  a  new  Diet  are  to  be  held
on  the  30th  November.  The  so-called  „pro-German“  parties  will  not  be  allowed  to
take  part  but  it  is  being  suggested  that  their  supporters  will  record  their  views  by
returning  blank  ballots.  The  Saar  Prime  Minister  has  said  that  he  expects  abstentions
  of  not  more  than  25  %.  The  announcement  of  the  elections  followed  the
breakdown  of  efforts  by  the  French  and  German  Governments  to  reach  agreement

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