Nr. 62
Mangelerfahrungen
Der saarländischen Bevölkerung ging es in den Nachkriegsjahren insgesamt
besser als der Bevölkerung in vielen anderen Teilen der französischen Besatzungszone
und im Ruhrgebiet. Dennoch hatten auch hier die Härten der Ernährungslage
und ihrer gesundheitlichen Folgen - wie im übrigen Deutschland, aber anders als
im übrigen Europa - erst nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes
Einzug gehalten. Gewichtsdefizite bei Kindern und Erwachsenen waren ein Gradmesser
dafür. Der Zeitungsbericht zeugt davon, daß auch 1951 diese Folgen des
Krieges und der nationalsozialistischen Politik an der Saar noch nicht überwunden
waren. Von der öffentlichen Hand werden größere Anstrengungen für die Ernährungslage,
die Wohnraumversorgung und andere soziale Probleme erwartet.
Zugleich zeigt der Bericht indirekt, welch große gesundheitliche Wirkung relativ
geringfügige zusätzliche Versorgungsleistungen, wie zum Beispiel bei einem
Kuraufenthalt, hatten, wenn Menschen am Existenzminimum lebten. Umgekehrt
bedeutete dies, dass kleine Mehrleistungen sehr lange im Gedächtnis bleiben sollten
und der Regierung sowie dem französischen Hochkommissariat die Mangellage
um so härter zur Last gelegt wurde. Für die Erklärung der langfristigen kollektiven
Erinnerung sind solche Zusammenhänge von nationalsozialistischer Politik,
Versorgungslage und sozialer Gesamtsituation von entscheidender Bedeutung,18
Zeitungsartikel aus der „Saar-Volksstimme“.
3.2.1951
Rilchingen - saarländisches Heilbad.
Alle Heilfaktoren reichlich gegeben - Vor Beginn des Kurbetriebs?
Aus Kleinblittersdorf wird uns geschrieben: Wie vor dem Kriege, so finden auch
jetzt wieder erholungsbedürftige Kinder zu einer wöchigen Kur Aufnahme im
Kleinbiittersdorfer Hanns-Joachim-Haus. Vor dem Kriege stammten die Kinder aus
dem Ruhrgebiet und den Rheinstädten, jetzt kommen sie aus dem Saarland, besonders
aus Saarbrücken-Stadt und -Land. Gleichgeblieben sind die guten Heilerfolge,
obwohl bei den jetzigen Kurteilnehmem die Heimat nicht allzu fern ist.
Am besten sind die Kurerfolge an der Gewichtszunahme zu erkennen. Als Durchschnitts-Gewichtszunahme
sind 5 bis 8 Pfund zu verzeichnen. Während die
Höchstzunahme 11 Pfund beträgt. Aber nicht nur Gewichtszunahme ist festzustellen,
sondern das Allgemeinbefinden wird gebessert.
Is Vgl. dazu im einzelnen HUDEMANN, Sozialpolitik, S. 31-123.
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