Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Nr.  55
Einweihung  der  Marechal-Ney-Schule

Der  Artikel  betont  die  besondere  Bedeutung  der  Saarbrücker  Marechal-Ney-Schule
(heutiges  Deutsch-Französisches  Gymnasium)  für  die  saarländisch-französischen
Beziehungen  und  den  hohen  allgemeinen  Stellenwert  der  Kulturpolitik  in  der  Frühphase
  der  Teilautonomie.  Unterstrichen  werden  der  europäische  Charakter  der
Schule  und  der  durch  ihre  Errichtung  geleistete  Beitrag  zur  Völkerverständigung  f'
Zeitungsartikel  aus  der  „Saar-Volksstimme“.
8.11.1949
Eine  Kulturstätte  europäischen  Formats.  Das  neue  Gebäude  der
Marechal-Ney-Schule  seiner  Bestimmung  übergeben.
Saarbrücken.  In  feierlicher  Form  wurde  am  Montagmittag  das  neue  Gebäude  des
„Lycee  Marechal  Ney“  [sic]  an  der  Haibergstraße  seiner  Bestimmung  übergeben.
Anwesend  waren  der  hohe  Kommissar  Gilbert  Grandval,  Ministerpräsident  Hoffmann,
  Landtagspräsident  und  Bürgermeister  Peter  Zimmer,  der  Apostolische  Visitator
  für  das  Saarland  und  andere  führende  Persönlichkeiten  des  politischen  und
kulturellen  Lebens  des  Saarlandes.  Kultusminister  Straus,  der  sich  zurzeit  mit  der
saarländischen  Delegation  in  Paris  befindet,  war  durch  Oberschulrat  Burghardt  vertreten.
  In  den  Ansprachen  wurde  darauf  hingewiesen,  daß  diese  französisch-saarländische
  Schule  dazu  dienen  solle,  Saarländer  und  Franzosen  zusammenzubringen.
  Sie  habe  ihre  Tore  auch  den  saarländischen  Kindern  geöffnet.  Die  Jungen
und  Mädel  des  Saarlandes,  die  dort  zusammen  mit  französischen  Schulkindern
lernen  und  arbeiten,  haben  Gelegenheit,  sich  gegenseitig  näherzukommen  und  sich
einander  zu  verstehen  [sic].  Von  den  rund  1000  Schülern  sind  nahezu  die  Hälfte
Saarländer.  In  dem  Mittelpunkt  der  Feier  in  dem  neuen  Gebäude,  die  durch  Liedvorträge
  der  Schüler  umrahmt  war,  stand  eine  Ansprache  des  Hohen  Kommissars.
Darin  heißt  es  u.a.:  Die  Klassen  des  französisch-saarländischen  Lyzeums  füllen
französische  und  saarländische  Kinder,  die  geeint  sind  durch  eine  im  Schoße  der
gleichen  Gemeinschaft  herangewachsene  spontane  Kameradschaft.
1946  gab  es  unter  371  französischen  nur  wenige  saarländische  Schüler.  Während
1947  [sic]  zählten  wir  510  französische  und  192  saarländische  Schüler,  dann,  1948,
besuchten  von  insgesamt  785  Schülern  483  Franzosen  und  302  Saarländer  die
Anstalt.

13 Zur  Schulpolitik  siehe  umfassend  KÜPPERS,  Bildungspolitik.  Vgl.  auch  Text  des  Französisch-Saarländischen
  Kulturabkommens  vom  15.12.1948  bei  DiSCHLER,  Gesetzgebung,
S.  186  ff.

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