Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

vielschichtiger  politischer,  sozialer,  kultureller  und  wirtschaftlicher  Zusammenhänge
  vorgestellt  werden  sollen,  werden  manche  Themen  intensiver  beleuchtet,
während  andere  eher  in  den  Hintergrund  treten.  Einige  Texte  standen  schon  zeitgenössisch
  im  Mittelpunkt  der  politischen  Auseinandersetzung,  die  meisten  jedoch
sind  in  diesem  Arbeitsbuch  erstmals  einer  breiteren  Leserschaft  zugänglich.  Die
lokalen,  regionalen,  nationalen,  internationalen  und  interkontinentalen  Zusammenhänge,
  welche  an  der  Saar  über  Jahrzehnte  hinweg  sehr  eng  ineinander  griffen,
ermöglichen  einen  beispielhaften  methodischen  Zugang  zur  Analyse  vielschichtiger
  und  ebenso  konfliktbeladener  wie  kooperationsreicher  Vernetzungen.  Das
Arbeitsbuch  möchte  den  Umgang  mit  diesen  anspruchsvollen  Untersuchungsgegenständen
  erleichtern.
Die  Aufbereitung  der  Dokumente  erfolgte  stets  im  Hinblick  auf  die  Verwendung
des  Arbeitsbuches  zu  pädagogisch-didaktischen  Zwecken.  Das  Buch  hat  daher
nicht  die  Form  und  den  Anspruch  einer  wissenschaftlichen  Edition  -  etwa  im  Sinne
der  großen  diplomatiegeschichtlichen  Akteneditionen.  Auf  eine  Übersetzung  der
fremdsprachigen  Quellen  wurde  trotzdem  verzichtet.  Denn  historisches  Arbeiten
setzt  die  Fähigkeit  zur  sachgerechten  Rezeption,  nicht  selten  auch  zur  präzisen
sprachlich-inhaltlichen  Analyse  von  Texten  voraus.  Da  der  Fortschritt  historischer
Erkenntnis  oft  erst  durch  Details  dieser  Analyse  oder  sogar  erst  in  der  kritischen
Auseinandersetzung  damit  möglich  wird,  kann  keine  noch  so  genaue  Übersetzungsleistung
  den  Forscher  von  seiner  Verantwortung  für  die  inhaltliche  Sicherung
von  Quellen  entbinden.  Exemplarisch  verdeutlicht  werden  soll  das  mit  der  Teil-Übersetzung
  der  ersten  französischen  Regierungsdirektive  für  die  Deutschlandpolitik
  vom  19.  Juli  1945.1
Einige  wenige  der  von  uns  ausgewählten  Dokumente  erschienen  parallel  zu
unserer  eigenen  Arbeit  inzwischen  auch  in  großen  Editionen,  was  jeweils  vermerkt
wurde.  In  manchen  Fällen  wurde  dann  auch  ganz  bewusst  die  uns  vorliegende,
etwas  abweichende  Archivversion  publiziert.  Das  Buch  ergänzt  sich  insofern  gegenseitig
  mit  älteren  und  allgemein  zugänglichen  Quellenpublikationen  zur  Saarfrage,
  mit  den  wissenschaftlichen  Editionen  der  diplomatischen  Akten  der  Bundesrepublik
  und  der  Westalliierten  sowie  mit  den  Editionen  zur  Alliierten  Hohen
Kommission,  zur  Arbeit  der  Bundesregierung  und  zu  den  politischen  Parteien.
Kern  des  Arbeitsbuches  ist  ein  kleiner  Ausschnitt  aus  dem  Ertrag  der  umfangreichen
  Aktenerschließung,  welche  insbesondere  die  Archive  des  französischen
Außenministeriums  und  des  französischen  Wirtschafts-  und  Finanzministeriums
dem  Historischen  Institut  der  Universität  des  Saarlandes  großzügig  ermöglichten.
Ebenso  schöpft  der  Band  aus  den  umfangreichen  Privatnachlässen  wichtiger  Akteure,
  besonders  des  damaligen  Militärgouvemeurs,  Hochkommissars  und  Botschafters
  Gilbert  Grandval  und  des  langjährigen  Innenministers  Edgar  Hector,

'  Vgl.  Quelle  Nr.  3b.

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