2. Wiederauftau unter schwierigen Bedingungen
Nr. 49
Instruktionsentwurf Michel Debrés für den Hochkommissar
Am 1. Januar 1948 endete die Militärregierung an der Saar, der Délégué Supérieur
wurde zum Hohen Kommissar. Der Entwurf einer Fortschreibung der Instruktionen
der französischen Regierung an Grandval vom 17. Januar 1948, mit
dem Briefkopf der Saar-Abteilung des Außenministeriums unter Michel Debré
überliefert, sollte Grundzüge der künftigen Saarpolitik nach dem internen Pariser
Diskussionsstand Mitte Januar 1948 fixieren. Ziel sei die Konsolidierung der
französischen Position an der Saar - sowohl im künftigen Verhältnis mit Deutschland
als auch gegenüber den Saarländern selbst - und der saarländischen Autonomie
sowie eine Ausweitung der französisch-saarländischen Wirtschaftsbeziehungen.
Der Entwurf geht ein auf die Konkurrenz zwischen französischer und saarländischer
Industrie, die nicht zu Lasten der Saar gehen dürfe. Er umreißt die
Möglichkeiten Frankreichs, die neue Herrschaftsform von der vorangegangenen
Militärregierung deutlich abzusetzen. Auf der Ebene der politischen Freiheiten,
der administrativen Autonomie und der kulturellen Initiativen vor allem in der
Schul- und Universitätspolitik werden weitere Richtlinien für den Hochkommissar
konzipiert. Unter erneuter Absage an eine Annexion wird eine Assoziierungspolitik
als Leitlinie bestätigt. Die Konflikte ab 1950/52 sollten später zeigen, von wie
zentraler Bedeutung die hier vorgegebenen Grundlinien der Politik in der Tat für
die französische Position an der Saar waren. Als amtliche Instruktion wurde der
Text allerdings nicht verabschiedet, weil Einzelheiten intern zu umstritten waren
und die wirtschaftliche Lage - so Grandval an Debré am 5.3.19491 - sich rasch
weiterentwickelte.1 2
1 Vgl. Archives de l’Occupation Française en Allemagne et en Autriche Colmar, F1CF Sarre,
Cabinet 103.
2 Zum Zusammenhang vgl. umfassend FIeinen, Saarjahre, zu dieser Quelle S. 208.
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