geren Vergangenheit immer wieder Lücken in bestimmten Beständen geschlossen
und längst verloren geglaubte Dokumente wiedergefunden werden. Insofern stellt
es einen unschätzbaren Vorteil dar, dass für das Saarland als einziges Bundesland
umfangreiche Quellenbestände aus französischer Provenienz überliefert sind, die
bis weit in die zweite Hälfte der fünfziger Jahre reichen.
Durch eine Novellierung der französischen Archivgesetzgebung im Jahr 1979,
welche unter anderem die allgemeinen Sperrfristen auf 30 Jahre herabsetzte, wurden
seit den achtziger Jahren zahlreiche Bestände für die Forschung geöffnet. Die
französischen Ministerien zeigten sich dabei außerordentlich entgegenkommend
gegenüber dem Saarland. Die französischen Ministerien für Äußere Angelegenheiten,
Finanzen und Wirtschaft bemühten sich selbst um das Auffinden und Ordnen
derjenigen Bestände, die das Saarland betrafen, und gestatteten dem Historischen
Institut der Universität des Saarlandes die Verfilmung umfangreichen Quellenmaterials.
Diese Quellen werden heute an der Universität des Saarlandes
archiviert und von Studierenden und Forschern genutzt. Das französische Archivsystem
befindet sich seit einigen Jahrzehnten im Umbruch. Wer seine Ursprünge
und seine gewachsenen Strukturen verstehen möchte, muss seinen Blick weit
zurück in die Vergangenheit richten. Die Französische Revolution gilt als Begründerin
des modernen Archivwesens, verwandelte doch der Systemumbruch von
1789 das bis dahin bestehende Schriftgut von Verwaltung und Justiz schlagartig zu
historischen Quellen. Ab 1793/94 übertrug die französische Nationalversammlung
dem neu gegründeten Nationalarchiv die Verantwortung für das historisch wertvolle
Verwaltungsschriftgut des Ancien Régime.
In Frankreich bildete sich so nach und nach ein stark zentralisiertes Archivwesen
heraus, dessen Dreh- und Angelpunkt bis heute die Archives Nationales in
Paris sind. Unter dem Dach der Direction des Archives de France versammeln sich
in Paris gegenwärtig vor allem drei große Bereiche der zentralen Regierungsarchive:
die Archives nationales mit ihren Außenstellen in einzelnen Ministerien,
die Archives diplomatiques du Ministère des Affaires Etrangères sowie die Militärarchive
des Ministère de la Défense.
Die seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts verstärkten Bemühungen um
eine Dezentralisierung der französischen Verwaltungsstrukturen haben auch die
zentralen Archivverwaltungen ergriffen. Der Umstrukturierungsprozess hatte auch
Auswirkungen auf die Archivierung der Quellen zur Saargeschichte. Im Zuge der
Verlagerung staatlicher Kompetenzen vom Zentrum in die Region sowie der Verlegung
zentralstaatlicher Institutionen in die „province“ wurden mehrere neue
Archive gegründet oder Benutzerräume in alten Depots eingerichtet, in denen sich
heute Schriftgut über die Nachkriegsgeschichte der Saar einsehen lässt. Die Suche
nach Quellen zum Saarland führte die Historiker demnach in unterschiedlichste
Bestände und in verschiedene Archive in ganz Frankreich.
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