diesem demokratischen Willen der Arbeitnehmerschaft nicht nur Rechnung zu
tragen, sondern ihn weitgehend zu unterstützen.
Hier von einer Spaltung zu reden, ist geradezu lächerlich. Es hat sich doch gezeigt,
daß weite Kreise der saarländischen Arbeitnehmerschaft nichts von einer Einheitsgewerkschaft
wissen wollen. Die Gründe dafür stehen hier nicht zur Debatte; die
Tatsache besteht. Wer hat das Recht, diesen Arbeitnehmern ihre eigene Gewerkschaft,
die sie wollen, vorzuenthalten? Wer hat das Recht, Arbeiter, Angestellte
und Beamte mit Mitteln der Drohung und des Zwanges in eine Einheitsgewerkschaft
hineinzutreiben, wie es in den letzten Wochen und Monaten oft genug -
namentlich in Versammlungen der Eisenbahnergewerkschaft - geschehen ist? Das
sind nationalsozialistische Methoden, gegen die wir uns immer und mit aller
Energie zur Wehr setzen werden.
[...]
Wenn einige der in der Einheitsgewerkschaft tätigen, ehemals christlichen Funktionäre
sich der Gründung der christlichen Gewerkschaft an der Saar widersetzen,
so ist das ihre eigene Sache. Aufhalten werden sie diese christlichen Gewerkschaften
an der Saar nicht! Dafür werden die christlichen Arbeiter, Angestellten und
Beamten selber sorgen; und es ist deren ureigenste Sache, wie sie sich organisieren
wollen. [...]
Wir stellen noch einmal fest: Die CVP als solche überläßt es den christlichen
Beamten, Angestellten und Arbeitern selbst, sich diejenige gewerkschaftliche
Organisation zu wählen und zu schaffen, die sie für richtig halten. Die CVP hat
sich niemals in dieses ureigenste Recht der Arbeitnehmerschaft eingemischt. Sie
hat sich aber jederzeit schützend vor das freie Koalitionsrecht der Arbeitnehmerschaft
gestellt und wird dieses ursprüngliche demokratische Recht mit allen Mitteln
in aller Zukunft verteidigen. Das ist unsere demokratische Pflicht! Wer uns deshalb
angreift, beweist, daß es ihm nicht um Demokratie, sondern um nackte Macht geht.
Die Intoleranz liegt nicht bei uns, sondern bei denen, die der Arbeitnehmerschaft
das freie Koalitionsrecht bestreiten!
J.H.
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