Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

diesem  demokratischen  Willen  der  Arbeitnehmerschaft  nicht  nur  Rechnung  zu
tragen,  sondern  ihn  weitgehend  zu  unterstützen.
Hier  von  einer  Spaltung  zu  reden,  ist  geradezu  lächerlich.  Es  hat  sich  doch  gezeigt,
daß  weite  Kreise  der  saarländischen  Arbeitnehmerschaft  nichts  von  einer  Einheitsgewerkschaft
  wissen  wollen.  Die  Gründe  dafür  stehen  hier  nicht  zur  Debatte;  die
Tatsache  besteht.  Wer  hat  das  Recht,  diesen  Arbeitnehmern  ihre  eigene  Gewerkschaft,
  die  sie  wollen,  vorzuenthalten?  Wer  hat  das  Recht,  Arbeiter,  Angestellte
und  Beamte  mit  Mitteln  der  Drohung  und  des  Zwanges  in  eine  Einheitsgewerkschaft
  hineinzutreiben,  wie  es  in  den  letzten  Wochen  und  Monaten  oft  genug  -
namentlich  in  Versammlungen  der  Eisenbahnergewerkschaft  -  geschehen  ist?  Das
sind  nationalsozialistische  Methoden,  gegen  die  wir  uns  immer  und  mit  aller
Energie  zur  Wehr  setzen  werden.
[...]
Wenn  einige  der  in  der  Einheitsgewerkschaft  tätigen,  ehemals  christlichen  Funktionäre
  sich  der  Gründung  der  christlichen  Gewerkschaft  an  der  Saar  widersetzen,
so  ist  das  ihre  eigene  Sache.  Aufhalten  werden  sie  diese  christlichen  Gewerkschaften
  an  der  Saar  nicht!  Dafür  werden  die  christlichen  Arbeiter,  Angestellten  und
Beamten  selber  sorgen;  und  es  ist  deren  ureigenste  Sache,  wie  sie  sich  organisieren
wollen.  [...]
Wir  stellen  noch  einmal  fest:  Die  CVP  als  solche  überläßt  es  den  christlichen
Beamten,  Angestellten  und  Arbeitern  selbst,  sich  diejenige  gewerkschaftliche
Organisation  zu  wählen  und  zu  schaffen,  die  sie  für  richtig  halten.  Die  CVP  hat
sich  niemals  in  dieses  ureigenste  Recht  der  Arbeitnehmerschaft  eingemischt.  Sie
hat  sich  aber  jederzeit  schützend  vor  das  freie  Koalitionsrecht  der  Arbeitnehmerschaft
  gestellt  und  wird  dieses  ursprüngliche  demokratische  Recht  mit  allen  Mitteln
in  aller  Zukunft  verteidigen.  Das  ist  unsere  demokratische  Pflicht!  Wer  uns  deshalb
angreift,  beweist,  daß  es  ihm  nicht  um  Demokratie,  sondern  um  nackte  Macht  geht.
Die  Intoleranz  liegt  nicht  bei  uns,  sondern  bei  denen,  die  der  Arbeitnehmerschaft
das  freie  Koalitionsrecht  bestreiten!
J.H.

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