auf Tausch? Das Herz schlägt heftig beim Angebot des kleinen Krämerladens im
Rucksack. Stolz und Scham drängen sich auf. Es würgt einen im Halse. Jetzt nur
stark bleiben! Tauschware ist nicht begehrt. Tapfer nimmt die junge Mutter die
kleine Last ihres Rucksackes wieder auf. Sie denkt an die hungrigen Münder
daheim. Stolz ansonsten in Ehren. Der Hunger hat ihn verdrängt. Und so klopft sie,
einer Ablehnung gewärtig, an die nächste Tür. Hier hat man Mitleid mit der jungen
Frau, läßt sie willig etwas von ihrem Schicksal erzählen, das das gleiche von vielen
Frauen ist, die in der Stube mit den niederen Deckenbalken gesessen haben,
gestern, vorgestern und all die langen Wochen und Monate hindurch. Man gibt ihr
ein paar Kartofeln [sic], so viel, wie zwei verschaffte Frauenhände umschließen,
ein paar Grütze, ein Ei. Nicht viel. Aber genug, um ein banges Herz zu beglücken
und stark zu machen.
[...]
Es ist ein weiter Weg. Die Last drückt. Kartoffel [sic] sind schwer, sehr schwer.
Der Rücken schmerzt, die Arme schmerzen, die Füße. Zur Bahn ist noch so weit.
Wenn die Kinder nur mit dem Wägelchen daheim am Bahnhof warten. Ja, die
Kinder! Sie werden ihre Suppe gelöffelt haben zu Mittag. Und heute abend das
Brot essen, dann werden sie erwartungsvoll dreinschauen, bis der Zug ankommt.
Und wenn sie einen gefüllten Rucksack sehen, werden sie ein Rennen laufen durch
die Unterführung, um gemeinsam die kostbare Fracht auf dem Handwagen zu
verladen.
Mit diesen Gedanken um Daheim schreitet die Frau wacker aus, wenn auch gebückt
unter der zusammengetroßten Last auf der schnurgeraden Fahrstraße. Am
Bahnhof beginnt eine neue Plackerei. Der Abend mit seiner Kühle und Regen ist
hereingebrochen. Noch zwei geschlagene Stunden verbleiben bis zum nächsten
Zug. Der Marsch hat einem warm gemacht. Immer mehr Menschen kommen heran
mit Koffern, Körben, Taschen und Rucksäcken. Man ermißt an ihren Lasten, ob
der Marsch über Land mehr oder weniger erfolgreich war. Entsprechend ist die
Stimmung, auch über die Bauersleute auf den Dörfern.
Endlich! Der Zug kommt. Der kaum Rücksichten kennende Sturm nach einem
Platz setzt ein. Männer, Frauen, Mädchen, Kinder mit verbissenen Gesichtem,
wirren Haarschöpfen, zerknüllten Mänteln füllen die Abteile. Mittendrin sitzt eingeklemmt
auf ihrem Rucksack die junge Frau von heute früh, die sich davor
scheute, einen Marsch über Land zu machen. Sie scheint trotz aller Anstrengung,
aller Enttäuschung zufrieden mit sich und ihrem wenigen Erfolg. [...]
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