Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

wärtigen  Institutionen  am  Historischen  Institut  der  Universität  des  Saarlandes  auf
Mikrofilm  zur  Verfügung  gestellt  werden  konnten.
Auf  Grundlage  dieses  neuen  Materials  und  unter  den  verbesserten  institutionellen
  Bedingungen  konnte  die  zeithistorische  Forschung  zum  Saarland  in  den
neunziger  Jahren  auf  eine  neue  Basis  gestellt  werden.  Den  Ausgangspunkt  dafür
bildete  ein  internationales,  in  deutsch-französischer  Zusammenarbeit  konzipiertes
Forschungskolloquium  im  Juni  1990  unter  dem  Titel  „Die  Saar  1945-1955.  Ein
Problem  der  europäischen  Geschichte“,  das  Zeitzeugen  und  Wissenschaftlern
verschiedener  Disziplinen  im  Plenarsaal  des  Landtages  drei  Tage  lang  Gelegenheit
zur  Diskussion  bot.  Der  Sammelband  mit  den  Beiträgen  dieser  Tagung  wirkte
insofern  als  Initialzündung,  als  nun  innerhalb  kurzer  Zeit  zahlreiche  Einzelstudien
und  wissenschaftliche  Qualifikationsarbeiten  zu  den  unterschiedlichsten  Themengebieten
  vorgelegt  wurden.  Sehr  rasch  konnte  so  der  Anschluss  an  die  Forschung
zur  deutschen  Nachkriegsgeschichte  gefunden  werden,  die  ihrerseits  in  einer  Reihe
von  Einzelpunkten  von  methodischen  Innovationen  der  Saarforschung  profitierte.
Eine  zweite  internationale  Tagung  unter  dem  Titel  „Grenz-Fall.  Das  Saarland
zwischen  Deutschland  und  Frankreich  1945-1960“  im  Jahr  1997  bot  -  in  Zusammenarbeit
  des  Historischen  Instituts  der  Universität  mit  der  Landeszentrale  für
politische  Bildung  und  der  Stiftung  Demokratie  Saarland  -  die  Gelegenheit,  Bilanz
zu  ziehen  und  neue  Perspektiven  zu  eröffnen.  Neben  der  Verlagerung  der  inhaltlichen
  Schwerpunkte  weg  von  der  internationalen  Perspektive  des  „Problems
europäischer  Geschichte“  auf  das  Innenleben  des  teilautonomen  Saarstaates  wurde
hier  vor  allem  die  Erweiterung  des  Untersuchungszeitraumes  auf  die  Jahre  nach  der
Volksabstimmung  vom  23.  Oktober  1955  bis  zur  Eingliederung  im  Jahr  1960  und
teilweise  auch  darüber  hinaus  vorstrukturiert.  Parallel  dazu  entstanden  in  einer
ganzen  Reihe  von  Instituten,  beispielsweise  der  Germanistik  oder  der  Geographie,
Forschungsinitiativen  mit  regionalem  Bezug,  die  in  einem  eigens  eingerichteten
interdisziplinären  Forschungskolloquium  ihre  zentrale  Kommunikationsplattform
fanden.  Vor  allem  die  Aktivitäten  in  diesem  Bereich  gingen  mit  einer  ertragreichen
Rückbindung  an  außeruniversitäre  Forschungsinitiativen  und  -institutionen  einher.
Quelleneditionen  und  Archive  zur  Saargeschichte
Nicht  zuletzt  die  schnelle  Erweiterung  des  Forschungsstandes  und  die  methodischen
  Schwierigkeiten,  vor  denen  die  historische  Saarforschung  bis  heute  steht,
verhinderten  über  lange  Zeit  hinweg  die  Herausgabe  einer  -  den  Ergebnissen  der
neueren  Forschung  angemessenen  -  Quellenedition  zur  saarländischen  Nachkriegsgeschichte.
  Jahrzehnte  lang  boten  zeitgenössische  Dokumentensammlungen  von
Autoren,  die  als  Zeugen  oder  Akteure  oft  selbst  in  die  heftigen  politischen  Auseinandersetzungen
  der  Zeit  involviert  gewesen  waren,  die  einzige  Grundlage  an
veröffentlichten  Quellen.  Dazu  zählten  in  erster  Linie  die  zeitgenössischen  Kampf-22


            
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