Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

gesehen.  Man  schaffte  dadurch  eine  bürokratische  Spitze  in  der  Gemeindeverwaltung,
  welche  den  Einfluß  der  politischen  Gemeindevertretung,  der  Bürgermeister
und  der  Beigeordneten  einschränkt  und  sich  nicht  im  Sinne  einer  fortschrittlichen
demokratischen  Selbstverwaltung  auswirken  kann.
Im  Gegensatz  zu  diesen  undemokratischen  Maßnahmen  betont  die  Kommunistische
  Partei:
Ohne  eine  ernsthafte  Demokratisierung  aller  Wirtschafts-,  Handels-,  und  Verwaltungsorgane
  kann  es  keine  friedliche  demokratische  Entwicklung  geben.
Die  Emährungskrise  hat  eine  schwere  Situation  im  Saargebiet  geschaffen,  die  auf
die  Dauer  für  die  Volksgesundheit  ernsthafte  Folgen  hat,  wenn  nicht  durch  entscheidende
  Maßnahmen  Abhilfe  geschaffen  wird.  Wir  haben  Verständnis  für  alle
Schwierigkeiten,  die  als  Folgen  des  Hitler-Krieges  zu  erklären  sind,  wir  können
aber  nicht  verschweigen,  daß  die  Anerkennung  und  Durchführung  der  Potsdamer
Beschlüsse  uns  in  die  Lage  versetzen  würde,  einer  solchen  Krise  mit  Erfolg
entgegen  zu  treten.
Wenn  sich  heute  Parteien  und  das  M.R.S.  über  die  mangelnde  Abgabe  aus  dem
Reichsgebiet  beschweren,  das  uns  bis  jetzt  zum  großen  Teil  versorgt  hat,  so  fühlen
wir  uns  verpflichtet,  daran  zu  erinnern,  daß  sie  durch  die  Politik  des  wirtschaftlichen
  Anschlusses  des  Saargebietes  an  Frankreich  dafür  verantwortlich  sind,  über
die  Saargrenzen  hinweg  eine  Auffassung  aufkommen  zu  lassen,  als  ob  die  Bevölkerung
  des  Saargebietes  Deutschland  den  Rücken  gekehrt  hätte.  Wir  haben  den
Güteraustausch  über  die  Zonengrenzen  hinaus  und  die  Schaffung  eines  wirtschaftlich
  und  politisch  einheitlichen  Deutschlands  gefordert.  Die  Verwirklichung  dieser
Aufgabe  wäre  der  erste  Schritt  zur  Verbesserung  der  Lebenslage  unseres  Volkes
gewesen.
Wir  haben  nicht  die  Abschnürung  des  Saargebietes  vom  übrigen  Reichsgebiet
gewünscht.  Wir  fordern  weder  den  Anschluß  noch  ein  autonomes  Saargebiet.  Wir
wünschen  unsere  Kohle  und  unsere  Industrie  zu  erhalten,  um  dadurch  auch
unserem  Volke  die  Lebensexistenz  zu  garantieren.
Die  Kommunistische  Partei  bekundet  klar  und  eindeutig,  daß  sie  sich  in  ihrer
Politik  nicht  von  nationalistischen  Gedankengängen  leiten  läßt.  Sie  fühlt  sich  auf
das  tiefste  mit  dem  französischen  Volk  verbunden,  das  so  heldenmütig  und
beispielgebend  für  seine  Befreiung  gekämpf  hat.  Wir  sind  davon  überzeugt,  gemeinsam
  mit  dem  französischen  Volk  den  Weg  zu  finden,  unser  Land  zu  demokratisieren,
  um  ein  für  alle  mal  das  Wiedererstehen  der  deutschen  militaristischen
und  reaktionären  Kräfte  zu  verhindern,  um  damit  den  Frieden  zu  garantieren.
Wir  wünschen  keine  Situation,  in  der  unsere  Bevölkerung  in  der  Not  einer  Lösung
zustimmt,  weil  sie  praktisch  keinen  anderen  Ausweg  sieht,  ihre  Lebenslage  zu
verbessern,  als  dem  wirtschaftlichen  Anschluß  zuzustimmen.
Ein  Volk,  das  in  seiner  Not  eine  Entscheidung  trifft,  handelt  nicht  in  innerer  Überzeugung,
  sondern  trägt  der  Notlage  Rechnung.

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