Nr. 25
Die Kommunistische Partei zur politischen Lage 1946
Die Kommunistische Partei des Saarlandes bezieht eindeutig Position gegen einen
wirtschaftlichen oder politischen Anschluss der Saar an Frankreich.8 Ihre Argumente
richten sich sowohl gegen die als einseitig und für die Saar wenig vorteilhaft
angesehene französische Saarpolitik wie gegen die als undemokratisch bezeichnete
Politik der Christlichen Volkspartei des Saarlandes, der zudem vorgeworfen wird,
mit ehemaligen Nationalsozialisten zu paktieren.
Memorandum der Bezirksleitung der Kommunistischen Partei,
Bezirk Saar-Nahe.
17.12.1946
Archives de l’Occupation Française en Allemagne et en Autriche Colmar, HCF Sarre,
Cabinet 70.
Nach Entgegennahme des Berichtes des Genossen Nickolay über politische Tagesfragen
unterstreicht die Bezirksleitung der Kommunistischen Partei einheitlich die
Richtigkeit ihrer Erklärung zur Saarfrage vom 25. April 1946.
In dieser Erklärung hat sie auf die elementaren Aufgaben der antifaschistisch-demokratischen
Bewegung hingewiesen, die zu erfüllen sind, um alle Voraussetzungen
zu schaffen, die Folgen des Hitlerkrieges erfolgreich zu überwinden.
Seit Wz Jahr [sic] ist der Hitlerkrieg beendet, ohne daß entscheidende Maßnahmen
dazu geführt hätten, unsere Wirtschaft, die Verwaltung und das gesamte öffentliche
Leben einem ernsthaften Demokratisierungsprozeß zu unterziehen.
Die Gemeinderatswahlen sollten Möglichkeiten bieten, den Gemeinden den Charakter
von Selbstverwaltungen zu geben. Statt dessen sehen wir den Mißbrauch
einer Stimmenmehrheit zur totalitären Politik und Ausübung einer Parteidiktatur,
und das von einer „Christlichen Partei“, welche die Grundsätze: Wahrheit, Klarheit
und Gerechtigkeit zum Parteiprinzip erklärt hat. In dieser Partei machen sich die
Nazis breit, erobern die Funktionen in der C.V.P., bringen ihre Ansprüche zur
Geltung und vertreiben die Antifaschisten aus den Verwaltungspositionen.
Durch Anordnung der Verwaltungskommission vom 30.9.1946 sind die bisherigen
Amtsbürgermeister ersetzt durch Amtsdirektoren, die Gemeinden über 10.000 Einwohner
sind mit Amtsdirektoren zu besetzen und in der Stadt Saarbrücken sind die
Stellen eines Generalsekretärs und für die einzelnen Dezernate Stadtdirektoren vor¬8
Zum Zusammenhang s. Dingel, Die Kommunistische Partei Saar. Vgl. außerdem die
Dokumente zur Kommunistischen Partei, Landesverband Saar, bei R. SCHMIDT, Saarpolitik,
Bd. 1, S. 589 ff.
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