Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Nr.  24
Sozialdemokratie  und  Wirtschaftsordnung
Die  sozialdemokratische  „  Volksstimme“  erhebt  die  Forderung  nach  einer  verstärkten
  Einführung  von  Elementen  zentraler  Planung  in  die  Wirtschaftspolitik.  Dies
wird  erstens  als  notwendige  Weiterentwicklung  der  bisherigen  Politik  bezeichnet,
zweitens  als  angemessene  Form  der  Wirtschaftsorganisation  angesichts  der  modernen
  Anforderungen  verstanden  und  drittens  als  unabdingbare  Voraussetzung  für
die  Bewältigung  der  Anpassungsprobleme  im  Rahmen  des  erwarteten  wirtschaftlichen
  Anschlusses  der  Saar  an  Frankreich  gesehen.
Zeitungsartikel  von  Sylvester  Petersberg  in  der  „Volksstimme“.
14.8.1946
Fragen  der  Wirtschaftsplanung
Es  dürfte  wohl  kaum  einen  zweiten  Verwaltungsbezirk  im  ganzen  besetzten
Deutschland  geben,  der  im  Anschluß  an  den  Krieg  soviel  wirtschaftliche
Schwierigkeiten  zu  überwinden  hatte,  wie  das  Saargebiet.  Es  dürfte  aber  auch
kaum  eine  Militärverwaltung  geben,  die  mit  mehr  Geschicklichkeit  und
Bereitschaft  versucht,  mit  den  örtlich  verbliebenen  Möglichkeiten  das  Wirtschaftsleben
  wieder  ingang  zu  bringen,  wie  das  die  frz.  Militärregierung,  unter  Leitung
des  Herrn  Gouverneurs  Grandval  hier  an  der  Saar  unternommen  hat.  Das  hat  dazu
geführt,  daß  wir  bereits  die  Zeit  der  Improvisation  hinter  uns  haben.  Unsere  Wirtschaft
  bekommt  allmählich  wieder  eine  feste  Basis,  auf  der  sich  ihre,  den  Sonderverhältnissen
  angepaßte  neue  Formgestaltung  vollziehen  kann.  Diese  Formgestaltung
  ist  ausgerichtet  auf  zweckmäßigste  Wirtschaftsplanung.  Das  ist  etwas  anderes
wie  Planwirtschaft  aus  Prinzip.  Man  will  vorerst  im  Rahmen  der  bestehenden
Sonderverhältnissen  [sic]  die  relativ  beste  wirtschaftliche  Versorgung  der
Allgemeinheit  sichern.
[...]
In  der  Zukunft  gesehen  bedarf  nämlich  die  Warenproduktion  unter  den
bestehenden  Sonderverhältnissen  in  gleicher  Weise  einer  zentralen  Planung,  wie
die  Warenverteilung.  Erste  Voraussetzung  hierzu  wäre  eine  umfassende
Wirtschaftsstatistik  im  Rahmen  eines  zeitlich  begrenzten  (mehrjährigen)
Aufbauprogrammes.  Nur  damit  wird  man  den  notwendigen  Warenbedarf  für  den
Wiederaufbau  kennen  lernen,  wofür  die  Vergangenheit  keinen  Maßstab  zu  bieten
vermag.
[...]

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