Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Herr  Wacker  betonte,  daß  er  in  dieser  Zusammenfassung  der  gesamten  arbeitenden
Menschen  im  Saargebiet  den  einzig  möglichen  Weg  aus  dem  bestehenden  Elend
und  Chaos  sehe.
Weiter  erklärte  Herr  Wacker  nochmals,  daß  er  auf  diese  Unterredung  heute  deshalb
einen  so  großen  Wert  gelegt  habe,  weil  er  es  als  unbedingt  erforderlich  ansehen
müsse,  daß  gerade  innerhalb  der  Verwaltungen  für  jeden  einzelnen  das  absolute
Mitbestimmungsrecht  anerkannt,  und  daß  auch  hier  der  Gedanke  der  Demokratie
und  der  Verantwortlichkeit  vertreten  werde,  da  ohne  dieses  niemals  ein  wahrhaft
demokratischer  Staat  verwirklicht  werden  könne.  Herr  Wacker  verlangte  gerade
von  der  Beamtenschaft  eine  intensive  Mitarbeit  innerhalb  der  Organisation  beim
Wiederaufbau.
Weiter  erklärte  Herr  Wacker,  daß  er  durchaus  die  besonderen  Verhältnisse  anerkenne,
  die  gerade  für  die  Beamtenschaft  im  Saargebiet  in  den  Jahren  1933-1935
und  erst  recht  in  den  Jahren  nach  1935  unter  dem  politischen  Druck  außerordentlich
  schwer  gewesen  seien,  nicht  vergleichbar  mit  denen  im  übrigen  Reichsgebiet.
Dies  solle  berücksichtigt  werden.  Es  sei  natürlich  selbstverständlich,  daß  politisch
stark  belastete  Menschen,  die  einmal  besondere  Aktivisten  waren,  nicht  von  heute
auf  morgen  ihre  Gesinnung  wie  ein  Kleid  wechseln  könnten,  doch  darüber  hinaus
vertrete  er  den  Gedanken,  daß  der  Beamte,  der  unter  den  unglücklichen  Verhältnissen
  damals  in  die  NSDAP  hereinkam,  der  heute  seinen  Glauben  enttäuscht  und
betrogen  sieht,  und  zu  der  Überzeugung  gelangte,  daß  seine  damalige  Einstellung
falsch  war,  nicht  unbedingt  zu  verdammen  sei,  sondern  zur  Mitarbeit  im  Wiederaufbau
  herangezogen  werden  solle.
[•••]
Als  Richtlinien  für  die  Wahl  der  Vertreter  gab  Herr  Wacker  noch  an,  daß  die  Vorzuschlagenden
  nicht  Mitglieder  der  ehemaligen  NSDAP  gewesen  sein,  noch  irgend
ein  Amt  in  der  DAF  innegehabt  haben  dürfen.  Ebenso  schieden  frühere  Mitglieder
der  Formationen  der  SS,  SA  und  des  NSKK  aus.  Die  Mitgliedschaft  zur  Deutschen
Front  spiele  keine  Rolle.
Der  in  Begleitung  von  Herrn  Wacker  erschienene  Herr  Barth  -  Regierungshauptkasse
  -  berichtete  den  Anwesenden  noch  über  die  Aufstellung  einer  Kulturorganisation
  innerhalb  der  Einheitsgewerkschaft,  die  den  Mitgliedern  die  Teilnahme  an
Theaterbesuchen,  Konzerten  u.  dgl.  vermitteln  will,  und  zwar  an  Einheitspreisen
von  2.50  RM.  Die  erste  Vorstellung  für  die  Einheitsorganisation  fände  am  15.7.  im
Stadttheater  Saarbrücken  mit  „Tartuffe“  statt,
[...]
{Dr.  Ganster)
(Dr.  Ganster)
Oberregi  erungsrat

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