Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Nr.  23
Probleme  beim  Aufbau  der  Einheitsgewerkschaft

Das  Protokoll  von  Oberregierungsrat  Ganster  über  eine  Kundgebung  der  Einheitsgewerkschaft
  vom  2.  Juli  1946  verdeutlicht,  wie  mit  der  Zeit  sehr  unterschiedliche
politische  und  in  der  Praxis  gewerkschaftlicher  Arbeit  angelegte  Faktoren  die
angestrebte  Vereinheitlichung  der  Arbeitnehmervertretung  behinderten.  Trotz  des
klaren  Bekenntnisses  gegen  Richtungsgewerkschaften  und  trotz  des  Versuches,
parteipolitische  Einflüsse  möglichst  abzuwehren,  stellt  die  Unterscheidung  nach
arbeitsrechtlichem  Status  (Arbeiter,  Angestellte  und  Beamte)  ein  wesentliches  Gliederungsprinzip
  des  gewerkschaftlichen  Neuaufbaus  dar.
Protokoll  von  Oberregierungsrat  Franz  Ganster  über  die  Kundgebung
der  Einheitsgewerkschaft  beim  Regierungspräsidium  Saar,
adressiert  an  den  Regierungspräsidenten  Hans  Neureuter.
2.7.1946
Stadtarchiv  Saarbrücken,  RP  115.
Der  Leiter  der  Einheitsgewerkschaft,  Herr  Wacker,  war  erschienen,  um  mit  den  Beamten
  und  Angestellten  des  Regierungspräsidium  Saar  in  einer  ersten  Fühlungnahme
  die  grundsätzlichen  Fragen  des  Auf-  und  Ausbaues  der  Einheitsorganisation  zu
besprechen.  Sein  Vortrag  enthielt  folgende  Ausführungen:
Die  Einheitsorganisation  sei  auf  Grund  einer  Verordnung  der  Militärregierung  im
Saargebiet  aufgebaut  worden.
Diese  Organisation  gerade  innerhalb  der  Öffentlichen  Betriebe  und  Verwaltungen
durchzuführen,  habe  anfangs  noch  keine  Möglichkeit  bestanden  dadurch,  daß  die
Militärregierung  in  Baden-Baden  den  Standpunkt  vertreten  habe,  daß  zuvor  die  Bereinigung
  innerhalb  der  Verwaltungen  abgeschlossen  sein  müsse.  Da  in  der  Zwischenzeit
  nunmehr  wiederholt  Differenzen  in  Erscheinung  getreten  seien,  und  zwar
sowohl  in  Beamten-  wie  auch  in  Angestelltenkreisen,  habe  sich  die  Einheitsorganisation
  an  den  Herrn  Gouverneur  gewandt,  um  ihn  auf  die  Mißstände  aufmerksam
zu  machen,  nach  denen  es  unmöglich  sei,  die  Interessen  der  Einzelnen  wahrzunehmen,
  wenn  keine  Vertreter  für  sie  benannt  seien.  Von  der  hierauf  mit  Genehmigung
der  Militärregierung  erfolgten  Bildung  von  provisorischen  Betriebsauschüssen,  die
zum  großen  Teil  schon  durchgeführt  sei,  wurde,  wie  Herr  Wacker  weiter  ausführte,
durch  ein  Versehen  der  Einheitsgewerkschaft  bisher  dem  Regierungspräsidium
Saar  noch  keine  Mitteilung  gemacht.  So  sei  darum  auf  Veranlassung  von  Herrn
Wacker  mit  dem  Herrn  Regierungspräsidenten  die  heutige  Aussprache  vereinbart
worden.

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