Frankreich gefährdet werden, wenn die Sozialdemokratische Partei für diese Einseitigkeit
eintritt und Massen hinter sich bringen kann, die aus kleinen egoistischen
Erwägungen heraus handeln, um eine wirtschaftliche Besserstellung zu erreichen.
Das ist mit der Tatsache, daß Frankreich die Saar als Reparation haben will, nicht
vereinbar. Als wir 1935 als kleine Minderheit des Saarvolkes für den Status quo
stimmten, hat die Mehrheit des Saarvolkes seine Stimme für Hitler-Deutschland
abgegeben. Und diese rechnen auf weitgehendstes Entgegenkommen des französischen
Volkes, das ihnen eventuell nicht gewährt werden kann, weil das
französische Volk zu sehr infolge dieses Krieges gelitten hat. Eine Enttäuschung
dieses, wahrscheinlich aus egoistischen Motiven handelnden Teils der Saarbevölkerung
wird bei Nichtbefriedigung seiner Wünsche ins Gegenteil Umschlägen und
eine Gefahr für die Demokratie bedeuten. Wir dienen mit diesem Anschluß nicht
nur der Partei des Saargebietes nicht, wir dienen damit Frankreich selbst nicht,
sondern geben ihm ein Danaergeschenk. Dazu ist meine Liebe zu Frankreich zu
hoch und zu groß, als daß ich ihm dies Geschenk bringen möchte, das seinen
Interessen nicht dienen kann. Wir haben auch Pflichten gegenüber den deutschen
Sozialdemokraten. Jenseits unserer Saargrenzen kämpft der deutsche Sozialdemokrat
um Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes. Lassen Sie mich Ihnen eins
sagen: Die deutsche Demokratie und das deutsche Volk wird nur leben mit und
unter Führung der deutschen Sozialdemokratie oder es kann nicht leben und wird
untergehen. Weil wir das wissen, muß unsere Haltung darauf ausgehen, die
deutsche Sozialdemokratie in ihrem Streben zu unterstützen. Wenn man aber dazu
übergeht, ein Wirtschaftsgebiet nach dem anderen vom deutschen Wirtschaftskörper
loszulösen, dann bedeutet das, daß die Not ins Ungeheuerliche ansteigt. Das
aber untergräbt die Arbeit der deutschen Sozialdemokratie.“
[...]
320